60 Jahre Mercedes 190 SL: Der Frauenliebling

Der Mercedes 190 SL markierte vor 60 Jahren den Anfang der komfortbetonten SL-Reihe. Gelassenes Gleiten statt angespanntes Racen, dafür war der 77 kW/105 PS starke 190 SL mit Pendelachs-Fahrwerk und Trommelbremsen von vornherein ausgelegt. Damit einher ging das Gefühl burgähnlicher Stabilität, für das Mercedes damals allgemein gelobt wurde, die zeitgenössischen Motorjournalisten im 190 SL dennoch überraschte. Handelte es sich bei dem SL mit dem Werkscode W 121 B II doch zusammen mit dem Typ 220 a um das erste Stuttgarter Cabrio mit selbsttragender Karosserie. Fast 26.000 Einheiten wurden bis 1963 verkauft, beinahe die Hälfte in Nordamerika.

Das Mädchen Rosemarie: Die Edel-Prostituierte verlieh dem 190 SL etwas "verruchtes"
Das Mädchen Rosemarie: Die Edel-Prostituierte verlieh dem 190 SL etwas „verruchtes“

Damit ging die Rechnung des New Yorker Sportwagen-Importeurs Max Edwin Hoffman auf, der sich damals von Mercedes einen offenen Tourensportwagen gewünscht hatte – für alle Kunden, denen der 300 SL zu teuer war und ein Porsche zu maskulin. Tatsächlich fand der 190 SL unter Frauen eine große Fangemeinde. Davon künden Fotos mit den Leinwandstars der frühen Nachkriegsära wie Gina Lollobrigida und Grace Kelly – die spätere Fürstin Gracia Patricia von Monaco chauffierte sogar Frank Sinatra im 190 SL.

Das Mädchen Rosemarie

Eine besondere Fama für den offenen Sternenkreuzer bedeutete dagegen die blonde Rosemarie Nitribitt, die im Mai 1956 einen schwarzen 190 SL kaufte und damit Männerbekanntschaften schloss, die ihren luxuriösen Lebensstil finanzierten. Immerhin war bereits der Erwerb des Cabrios überaus kostspielig, so startete die Preisliste für den SL bei 16.500 Mark, für das abnehmbare Coupédach berechnete Mercedes nochmals 1.150 Mark zusätzlich. Zum Vergleich: Eine Mercedes-180-Limousine kostete nur die Hälfte und auch ein Porsche 356 Cabrio war deutlich billiger. Besagte Rosemarie Nitribitt bezahlte in bar und bewegte ihren SL gut 40.000 Kilometer bis sie im November 1957 ermordet aufgefunden wurde.

Ein Mädchen Namens Rosemarie
Außen schwarz, innen rotes Leder – ein Mädchen Namens Rosemarie

Eine ungeklärte Tat, die zum großen Gesellschaftsskandal der moralinsauren Wirtschaftswunderjahre eskalierte. Fanden sich doch in Nitribitts Adressverzeichnis die Namen nicht weniger Industriekapitäne. Als Ende 1958 der Kinofilm „Das Mädchen Rosemarie“ anlief, fuhr Hauptdarstellerin Nadja Tiller einen roten Roadster, während der schwarze Original-SL bereits eine Karriere als hochdotierter Gebrauchtwagen machte. Entgegen bis heute andauernder Spekulationen zeigte sich die Produktionskurve des 190 SL unbeeinflusst von diesen Schlagzeilen.

In den Handel kam der SL in drei Ausführungen: Als Roadster mit Stoffdach, als so genanntes Coupé mit Stoffdach und abnehmbarem Hardtop und als Hardtop-Coupé ohne Stoffdach – so wie es eigentlich nur Amerikaner liebten. Während der Roadster über Kunstledersitze verfügte, kennzeichnete die Coupés eine serienmäßige Echt-Lederausstattung.

Wichtig war den 190-SL-Fahrern die bereits zur Bauzeit legendäre Zuverlässigkeit des geräumigen „Tourensportwagens“, wie ihn die Werbung nannte. Vor allem aber die zeitlose Eleganz der Linien, gezeichnet von den Mercedes-Designern Walter Häcker und Hermann Ahrens. Formen, die sogar in einer Dekade fast jährlich wechselnder automobiler Moden nicht alterten und bewirkten, dass die Baureihe W 121 noch über ihre Produktionszeit hinaus überaus beliebtes Requisit für Filmproduktionen und Modejournale blieb. Und beste Basis waren für eine anschließende Karriere als kultiger Klassiker mit dem Chrom-Charme der Golden Fifties, während der 1963 lancierte Nachfolger 230 SL von der neuen Funktionalität der Sechziger kündete.

Zeitlos schöne Formgebung beim 190 SL
Zeitlos schöne Formgebung beim 190 SL

Mehr zur Geschichte des 190 SL gibt es hier im Archiv: Der 190SL

 

(Quelle: KfZ-Betrieb, „60 Jahre 190 SL„, Bilder: Daimler AG)

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