Daimler 2014. Erfolge. Rekorde. Mitarbeiterprämie. Wer hätte das gedacht?

Da staunt der Laie – der Fachmann wundert sich: Über die Berichte in der Presse zu den aktuell veröffentlichten Zahlen der Daimler AG.

Man muss sich in Erinnerung rufen, dass bis 2013 der Daimler-Chef Zetsche von der „Fachpresse“ als „Ankündigungsweltmeister“ bezeichnet wurde, was das Unternehmen technologisch alles „verschlafen“ hätte, das Image sei zu „bieder“, den chinesischen Markt hätte man vernachlässigt und das Formel 1 Engagement sei rausgeworfenes Geld.
Wir schreiben die erste Februarwoche des Jahres 2015, Daimler veröffentlicht wieder die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr – und die Presse überschlägt sich fast!
Die Medienpräsenz als Formel 1 Weltmeister, Dieter Zetsche, die Qualität, das Design, die Konzepte zur Mobilität, die Technologie, der Erfolg am chinesischen Markt und die Mentalität wären Gründe für den Erfolg der Daimler AG.

2015_06_dai_2Achja?

Man kann zu jedem einzelnen Punkt, zu jeder Person und seiner Strategie stehen wie man will – und ich erlaube mich auch kein Urteil über die Arbeit des Herrn Zetsche, da ich ihn weder kenne, noch bei der Daimler AG arbeite.

ABER:
Die „Wachstumsstrategie 2020“ wurde erst im dritten Quartal 2011 vorgestellt. Erwartete man dann, dass der Vorstand mit den Fingern schnipst und Daimler plötzlich wieder an der Spitze des Wettbewerbs steht?
Allzumal schon zu sehen war, in welche Richtung die Reise geht, dass der Konzern erst einmal Geld in die Hand nimmt – z.B. für die Entwicklung neuer Modelle – und das natürlich die Ergebnisse der ersten Jahre belasten wird.
Außerdem gibt es Verträge in dieser Welt – auch wenn die für Griechenland nur bedingt zu gelten scheinen. Und gerade in China mussten erst vertragliche Voraussetzungen mit den bisherigen Importeuren gefunden werden, um dort einen eigenen Vertrieb aufbauen zu können – auch das geht sicher nicht von jetzt auf gleich…

Und nun?
Ist das alles vergessen. Genausowenig wie „damals“ alles schlecht geredet wurde, ist heute alles Gold, was glänzt. Trotzdem ist die Entwicklung beeindruckend.

  • Bester Absatz mit 2,5 Mio. verkauften Fahrzeugen
  • Konzernumsatz um 10% auf 129,9 (i. V. 118,0) Mrd. € gesteigert
  • Konzern-EBIT (Gewinn vor Steuern) in Höhe von 10,8 (i. V. 10,8) Mrd. €
  • EBIT aus dem laufenden Geschäft deutlich über Vorjahr bei 10,1 (i. V. 8,0) Mrd. €
  • Konzernergebnis in Höhe von 7,3 (i. V. 8,7) Mrd. €
  • Bisher höchste Dividende von 2,45 (i. V. 2,25) € je Aktie vorgeschlagen
  • 4.350 Euro für alle 135.000 Tarifmitarbeiter der Daimler AG
Auf der Überholspur: Der Daimler Vorstand und der AMG GT (Bild: Daimler AG)
Auf der Überholspur: Der Daimler Vorstand und der AMG GT (Bild: Daimler AG)

Die Daimler AG (Börsenkürzel DAI) hat im Geschäftsjahr 2014 die erfolgreiche Entwicklung fortgesetzt und erneut Bestmarken bei Absatz, Umsatz und EBIT aus dem laufenden Geschäft erzielt. Auch für das Jahr 2015 geht das Unternehmen aufgrund der in allen automobilen Geschäftsfeldern sehr attraktiven und besonders wettbewerbsfähigen Produktportfolios sowie der erwarteten Entwicklung der Märkte davon aus, Absatz, Umsatz und Ergebnis aus dem laufenden Geschäft abermals deutlich steigern zu können.

Daimler hat den Absatz im Jahr 2014 wie angekündigt deutlich gesteigert. Mit mehr als 2,5 Mio. Fahrzeugen wurde das Vorjahresniveau um 8% übertroffen. Zu diesem Anstieg haben vor allem Mercedes-Benz Cars (+10%) und Mercedes-Benz Vans (+9%) beigetragen. Bei Daimler Trucks war der Zuwachs mit 2% vor allem aufgrund der schwachen Verfassung der Märkte in Westeuropa und Lateinamerika kleiner als ursprünglich erwartet. Bei den Bussen lag der Absatz leicht unter dem Vorjahresniveau. Auf Basis des Absatzzuwachses stieg der Konzernumsatz um 10% auf 129,9 Mrd. €; bereinigt um Wechselkurseffekte war eine Steigerung von 12% zu verzeichnen.

Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung am 1. April 2015 eine Anhebung der Dividende auf 2,45 (i. V. 2,25) € pro Aktie vor.

Die Mitarbeiter können sich wie die Aktionäre auf den April freuen – mit dem April Entgelt-Abrechnung erfolgt die Auszahlung der Prämie.

Aufgrund der hohen Nachfrage nach den automobilen Produkten und Dienstleistungen stieg die Zahl der Beschäftigten gegenüber Ende 2013 um 2%. Zum Ende des Berichtsjahres waren im Daimler-Konzern weltweit 279.972 (i. V. 274.616) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. In Deutschland beschäftigte Daimler zum Ende des Geschäftsjahres 168.909 (i. V. 167.447) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit rund 6.600 Auszubildenden stellt Daimler mehr als ein Drittel der Ausbildungsplätze aller deutschen Automobilhersteller.

Die Geschäftsfelder im Einzelnen

Die A-Klasse Familie, hier CLA und A-Klasse Limousine "läuft" (Bild: Daimler AG)
Die A-Klasse Familie, hier CLA und A-Klasse Limousine „läuft“ (Bild: Daimler AG)

Mercedes-Benz Cars mit der Marke Mercedes-Benz, den Sub-Marken Mercedes-AMG und Mercedes-Maybach sowie der Marke smart hat im Berichtsjahr den Wachstumskurs nochmals beschleunigt. Der Absatz stieg um 10% auf den Höchststand von 1.722.600 Fahrzeugen, der Umsatz sogar noch deutlicher um 14% auf den Rekordwert von 73,6 Mrd. €. Das EBIT des Geschäftsfelds lag mit 5.853 Mio. € deutlich über dem Vorjahresergebnis von 4.006 Mio. € und wuchs damit überproportional zum Umsatz. Die Umsatzrendite erhöhte sich signifikant auf 8,0 (i. V. 6,2)%.
Die Ergebnisentwicklung war im Wesentlichen auf das weitere Absatzwachstum vor allem in Asien, Europa und den USA zurückzuführen. Dazu haben insbesondere die neue S-Klasse mit ihrem ersten vollen Jahr, die neuen C-Klasse Modelle und die erweiterte Produktpalette bei den Kompaktfahrzeugen beigetragen. Ergebniszuwächse erzielte Mercedes-Benz Cars auch durch eine bessere Preisdurchsetzung.
Auch der Vergleich mit den Wettbewerbern Audi und BMW zeigt, dass Daimler deutlich aufgeschlossen hat: BMW verkaufte 2014 1,8 Millionen PKW, Audi und Mercedes-Benz jeweils 1,7 Millionen – das Feld ist also enger zusammen gerückt. 2010 verkaufte BMW noch 1,6 Millionen Fahrzeuge, Daimler „nur“ 1,35.

Daimler Trucks konnte den Absatz im Jahr 2014 um 2% auf 495.700 Einheiten leicht steigern. Damit wurde der höchste Stand seit dem Jahr 2006 erreicht.
Mercedes-Benz Vans erzielte im Geschäftsjahr 2014 einen neuen Absatzrekord; die Auslieferungen stiegen um 9% auf 294.600 Einheiten. Der Umsatz erreichte mit 10,0 (i. V. 9,4) Mrd. € ein Rekordniveau.

Daimler Buses hat im Geschäftsjahr 2014 weltweit 33.200 (i. V. 33.700) Busse und Fahrgestelle abgesetzt und damit das Niveau des Vorjahres nahezu wieder erreicht.
Daimler Financial Services schloss im Laufe des Berichtsjahres 1,3 Mio. neue Finanzierungs- und Leasingverträge im Wert von insgesamt 47,9 Mrd. € ab.

Ausblick 2015

Auf der Überholspur: Alarm für S-Klasse W 222. (Bild: Daimler AG)
S-Klasse Boom: Der W 222 macht Alarm. (Bild: Daimler AG)

Mercedes-Benz-PKW
Im Einklang mit den eher verhaltenen konjunkturellen Perspektiven ist für die weltweite Pkw-Nachfrage im Jahr 2015 mit einem Anstieg von rund 4% zu rechnen.
Die Basis dafür ist das sehr attraktive und junge Modellportfolio, das im Jahr 2015 um einige zusätzliche Produktneuheiten erweitert wird. Einen wichtigen Beitrag wird die neue C-Klasse leisten, die nun als Limousine und T-Modell in allen Märkten verfügbar ist. Darüber hinaus werden innerhalb der ersten sieben Monate des Jahres 2015 vier neue Fahrzeuge ohne Vorgängermodell eingeführt. Bereits im Februar werden die ersten Fahrzeuge der neuen und exklusiven Marke Mercedes-Maybach an Kunden ausgeliefert. Es folgen der Sportwagen Mercedes-AMG GT, der CLA Shooting Brake sowie der Sport-Geländewagen GLE Coupé. Zusätzlich erneuert das Geschäftsfeld im Rahmen der Produktoffensive im Jahr 2015 nahezu das gesamte Angebot an Geländewagen und sorgt damit für zusätzliche Nachfrageimpulse.
Ein deutliches Absatzplus erwartet Mercedes-Benz Cars im Jahr 2015 auch bei der Marke

smart.
Seit November 2014 sind die neuen Modelle fortwo und forfour in Europa verfügbar. Beide Fahrzeuge werden im Jahr 2015 in allen Kernmärkten eingeführt und damit zur positiven Absatzentwicklung bei Mercedes-Benz Cars beitragen. Da in den zurückliegenden Jahren kein Viersitzer im Angebot war, können mit dem smart forfour nun völlig neue Kundengruppen angesprochen werden.

Auf der Basis der aktuellen Erwartungen über die Entwicklung der Märkte und Wechselkurse sowie der Planungen der Geschäftsfelder geht Daimler davon aus, das Konzern-EBIT aus dem laufenden Geschäft im Jahr 2015 erneut deutlich zu steigern.

Für die einzelnen Geschäftsfelder wurden folgende EBIT-Ziele aus dem laufenden Geschäft für das Jahr 2015 gesetzt:
– Mercedes-Benz Cars: deutlich über Vorjahresniveau,
– Daimler Trucks: deutlich über Vorjahresniveau,
– Mercedes-Benz Vans: deutlich über Vorjahresniveau,
– Daimler Buses: leicht unter Vorjahresniveau und
– Daimler Financial Services: leicht über Vorjahresniveau.

Mittelfristig will Daimler im Automobilgeschäft über die Markt- und Produktzyklen hinweg eine jahresdurchschnittliche Umsatzrendite von 9% erzielen. Basis dafür sind die Zielrenditen der Geschäftsfelder: 10% für Mercedes-Benz Cars, 8% für Daimler Trucks, 9% für Mercedes-Benz Vans und 6% für Daimler Buses.

Mit den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten verfolgt Daimler das Ziel, die Wettbewerbsposition des Unternehmens vor dem Hintergrund der anstehenden technologischen Herausforderungen zu stärken. Aus diesem Grund wird Daimler in den Jahren 2015 und 2016 die Ausgaben für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten nochmals deutlich auf durchschnittlich 6,7 Mrd. € erhöhen.
(Quelle: Tagespresse, Daimler AG, „Daimler in der Erfolgspur„)

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