Die G-Klasse – 35  Jahre mit Ecken und Kanten

Entgegen weit verbreiteter Ansichten entsteht die G-Klasse nicht als Militärfahrzeug und auch nicht als Personenwagen: Die Konstrukteure haben zunächst den zivilen Nutzfahrzeugmarkt im Auge. Und wie es zu dem Modell kam, das nun seit 35 Jahre optisch mehr oder weniger unverändert gebaut wird – und das deshalb Kult wurde, möchte ich heute ein wenig erzählen – denn auch wenn die G-Klasse nun definitiv kein Roadster ist – ein lebendiges Stück Geschichte ist er auf jeden Fall!

Und die startet mit einem Kooperationsvertrag im Jahre 1973 zwischen der Daimler-Benz AG in Stuttgart-Untertürkheim und der Steyr-Daimler-Puch AG im österreichischen Graz. Ziel des Abkommens war die Entwicklung eines leichten Geländefahrzeugs mit Vierradantrieb – damals sicherlich nicht unumstritten, denn die Welt ist da noch 30 Jahre vor dem Boom entfernt, der uns heute als „SUV“ auf den Straßen begegnet. Insofern ist das Konzept, auf das sich die beiden Partner einigten, mutig gewesen. Es unterschied sich deutlich von dem anderer Allradfahrzeuge jener Zeit. Entgegen dem damaligen Trend wollte man weder einen spartanischen „Nur-Geländewagen“ noch einen Allrad-Personenwagen für den Straßeneinsatz herstellen. Stattdessen konzipierten die Produktplaner, Designer und Ingenieure nach sorgfältiger Abwägung verschiedener Alternativen ein Fahrzeug, das mit bis dato beispiellosen Eigenschaften glänzen sollte: Zum einen forderten sie Zuverlässigkeit, Robustheit und nahezu uneingeschränkte Geländegängigkeit auch in schwerstem Terrain, um sich im harten Alltagseinsatz bei Industrie, Kommunen und Militär durchzusetzen. Zum anderen sollte ein vollwertiges, komfortables und vor allem sicheres Straßenfahrzeug für den Personen- und Lastentransport entstehen, das auch als exklusives Automobil für die Freizeit seine Käufer findet.

1975 fällt die Entscheidung für den Serienstart der G-Klasse. Gleichzeitig wird der Bau eines neuen Werks in Graz beschlossen, wo das Fahrzeug in allen Baujahren überwiegend in Handarbeit hergestellt wird.
2014_44_g_4

Ein eigenes Unternehmen entsteht

Für Vertrieb und Bau des Fahrzeugs entsteht ein gemeinsames Unternehmen, die Geländefahrzeuggesellschaft mbH, an dem Daimler-Benz und Steyr-Daimler-Puch mit jeweils 50 Prozent beteiligt sind. Der weitaus größte Teil der Fahrzeuge soll mit Mercedes-Stern am Kühlergrill vertrieben werden. In Ländern wie Österreich, der Schweiz und auch im Ostblock (COMECON-Länder) kommen sie unter dem Namen Puch auf den Markt – in den Alpenländern, weil dort die Marke Puch für geländegängige Fahrzeuge sehr gut eingeführt ist.

Federführend bei der Konstruktion des G-Modells ist Erich Ledwinka, der sich mit dem extrem robusten und geländegängigen österreichischen Allradautomobil „Haflinger“ bereits einen guten Ruf erobert hatte. Deshalb heißt das neue Projekt zunächst auch H2, was für „Haflinger 2“ steht. Und wer schon mal Skifahren in Österreich war, hat einen „Haflinger“ bestimmt schon fahren sehen. Da dieser Name aber zu sehr mit Steyr-Daimler-Puch verknüpft ist, entscheidet sich das Firmenkonsortium schließlich für den einfachen, aber markanten Namen „G“, kurz für Geländewagen.

Das erste Modell, noch aus Holz gefertigt, wird unternehmensintern 1973 präsentiert. Der erste Prototyp in Metallbauweise ist im September 1974 fertig. Ein Jahr später folgen zwei weitere Prototypen mit kurzem und langem Radstand. 1978 wird ein erster Prototyp speziell für das Militär präsentiert; er hat ein Textildach, eine klappbare Windschutzscheibe und herausnehmbare Türen. Damals nimmt man noch an, dass die meisten Fahrzeuge solcherart ausgestattet sein werden. Doch ein Großteil der Kunden entscheidet sich für die geschlossene Variante, im internationalen Jargon Station-Wagon genannt.


Technik

Das Fahrzeug wird für Einsätze in schwerstem Gelände konstruiert. Die stabile Basis bildet ein Kastenrahmen aus geschlossenen Längsprofilen und Quertraversen, die eine außergewöhnliche Biege- und Verwindungssteifigkeit garantieren. Der Rahmen trägt robuste Starrachsen mit großen Schraubenfedern und langen Federwegen, die fürs Gelände vorteilhaft sind. Mit einem Steigvermögen bis zu 80 Prozent, einer Fahrstabilität bis 54 Prozent Schräglage, 21 Zentimeter Bodenfreiheit und Böschungswinkeln von 36 (vorne) beziehungsweise 27 Grad (hinten) bezwingt die G-Klasse souverän schwierigste Offroad-Passagen. Gleichzeitig bietet das Fahrwerk ein sicheres und komfortables Fahrverhalten auf der Straße.

Design

2014_44_g_8
Beim Serienstart des Mercedes-Benz G (Baureihe 460) im Jahr 1979 standen vier Modelle mit zwei Radständen und fünf unterschiedlichen Aufbauvarianten zur Wahl

Die Designer und Ingenieure entscheiden sich bei der Karosseriegestaltung für große Flächen, weil diese günstig zu fertigen sind – auch für eine eventuelle Produktion in Ländern der Dritten Welt, die durchaus vorgesehen war.

Zu seinen Kennzeichen zählen gerade Linien, ausgewogene Proportionen der Flächen, kurze Überhänge sowie eckige Kotflügel, die eine gute Sicht auf die Fahrbahn zulassen und zielgenaues Fahren erleichtern.

Für den Innenraum wählten die Designer zunächst eine einfache, aber zweckmäßige und funktionsgerechte Gestaltung mit lackierten Blechoberflächen und sparsamer Innenverkleidung. Durch das Zwei-Speichen-Lenkrad blickte der Fahrer auf eine einfache Instrumententafel mit Tachometer und Funktionsleuchten.

Damals ist das Design wegen seiner Einfachheit kritisiert worden. Heute sieht man es anders: Gerade weil das Aussehen der G-Klasse von großer Praktikabilität geprägt ist, das mit einem zeitlosen Design einhergeht, hat sie sich ihren Platz als geradliniger, kompromissloser Klassiker im Automarkt erobert.

Produktionsstart und Entwicklung 1970er/80er Jahre

Ein Großauftrag Mitte der 1970er-Jahre gibt übrigens großen Ansporn, das Fahrzeug tatsächlich zur Fertigungsreife zu bringen: Der Schah von Persien ordert 20.000 Geländewagen für seine Kaiserliche Armee. Die Ironie der Geschichte: Als 1979 die islamische Republik Iran ausgerufen wird, stornieren die neuen Machthaber den Großauftrag – just im Jahr des Produktionsanlaufs der G-Klasse.

Die deutsche Bundeswehr gehört auch nicht zu den frühen Abnehmern. Zwar wird sie schon in der Konzeptionsphase in das Projekt eingebunden, und entsprechend hoch sind die Hoffnungen des Werks auf einen Großauftrag. Doch entscheidet sie sich 1976 für den Volkswagen Iltis als Nachfolger für den DKW Munga. Erst einige Jahre später, als der Iltis ersetzt werden muss, ordert die Bundeswehr den Mercedes-Benz G.

Doch gibt es in der Frühphase auch andere Käufer. Beispielsweise der deutsche Bundesgrenzschutz sowie die argentinische und die norwegische Armee ordern Fahrzeuge. Denn wie so oft bei AllradAutomobilen: Insbesondere das Militär schätzt die Vorzüge solcher Wagen und ist zunächst Hauptabnehmer der G-Klasse. Später kommen die Kunden zu jeweils rund der Hälfte aus dem zivilen und dem militärischen Bereich.

Die G-Palette besteht zunächst aus den Typen 230 G (Vierzylinder-Ottomotor, 90 PS/66 kW oder 102 PS/75 kW), 240 GD (Vierzylinder-Dieselmotor, 72 PS/53 kW) und 300 GD (Fünfzylinder-Dieselmotor, 80 PS/59 kW). Anfang des Jahres 1980 folgt der 280 GE (Sechszylinder-Ottomotor mit Benzineinspritzung, 150 PS/110 kW) in der niederverdichteten Ausführung. Alle Versionen haben ein manuelles Vierganggetriebe und ein Vorgelege.

Der Allradantrieb mit zusätzlicher Geländeübersetzung ist zuschaltbar, ebenfalls die Differenzialsperren mit 100 Prozent Sperrwirkung an beiden Starrachsen. Die aufwendige Radaufhängung mit Längs- und Querlenkern, Schraubenfedern und Stoßdämpfern sorgt für souveränes Fahrverhalten sowohl auf der Straße wie auch im Gelände. Eine Servolenkung gibt es nur für die Typen 300 GD und 280 GE serienmäßig.

Insgesamt gibt es vier Baureihen der G-Klasse. Die Baureihen 460 (ab 1979), 461 (1991) und 463 (1989) laufen in Graz vom Band. Die Baureihe 462 wird von 1991 an in Thessaloniki, Griechenland, aus Bausätzen montiert (CKD-Fertigung, „Completely Knocked Down“ = „vollständig zerlegt“); die Fahrzeuge sind ausschließlich für Militär und Polizei bestimmt. Sehr wenige Fahrzeuge werden auch im Mercedes-Benz Werk in Aksaray, Türkei, gefertigt, ebenfalls aus CKD-Bausätzen.

Perfekte Arbeitsteilung

Die Produktion der heutigen G-Klasse läuft am 1. Februar 1979 in Graz an. Von Daimler-Benz stammen der komplette Antriebsstrang mit Motor, Getriebe, Achsen und Lenkung sowie die Großpressteile. Stanz- und Kleinpressteile hingegen sowie das Verteilergetriebe stellt Steyr-Daimler-Puch her.

Zivilkunden können den G als Station-Wagon mit kurzem und langem Radstand oder als Cabriolet mit kurzem Radstand bestellen. Für sie stehen lediglich fünf Farben zur Auswahl: Cremeweiß, Weizengelb, Coloradobeige, Karminrot und Agavengrün. Für das Militär gibt es zusätzlich ein Cabriolet mit langem Radstand, wahlweise mit zwei oder vier Türen. Im November 1980 erweitert ein geschlossener Kastenwagenaufbau das Angebot, wahlweise auf langem oder kurzem Radstand.

In der ersten Presse-Information zur G-Klasse heißt es: „Die Konzeption dieser universellen Baureihe setzt neue Maßstäbe auf dem expandierenden Markt geländegängiger leichter Fahrzeuge. Folgende Entwicklungsvorschläge wurden realisiert: größtmöglicher Anwendungsbereich, die Schaffung eines rationellen Baukastensystems unter Einbeziehung bereits bei Daimler-Benz produzierter und bewährter Komponenten sowie einfacher Reparatur- und Serviceaufwand.“

Groß sind die Zulade-Reserven: Bei einem Leergewicht von 1730 bis 1959 Kilogramm (je nach Ausführung) sind es rund 655 bis 920 Kilogramm. Opulente 200 Kilogramm sind als Dachlast vorgesehen.

Dass der G zunächst als Nutzfahrzeug konzipiert ist, zeigt die Aufpreisliste, die Posten enthält wie zum Beispiel ein abschließbares Handschuhfach, Servolenkung, Halogenscheinwerfer oder eine Uhr. Das Zwei-Speichen-Lenkrad und viele Schalter stammen ohnehin direkt aus dem Nutzfahrzeugprogramm von Mercedes-Benz. Einzig der Preis eines ordentlich ausgestatteten G-Modells weist fast hellseherisch in die Richtung, die der G einmal einschlagen wird: Er kostet ungefähr so viel wie eine S-Klasse.

Eine wachsende Zahl privater Käufer

Das G-Modell kommt nicht nur beim Militär und als Nutzfahrzeug an. Eine wachsende Zahl von Privatkunden weiß das robuste und geländegängige Fahrzeug zu schätzen. Doch sie erwarten mehr Komfort von solch einem Auto, und dem trägt schon die erste Modellauffrischung Ende 1980 Rechnung. Für das Cabriolet mit kurzem Radstand ist jetzt ein Hardtop erhältlich, um das Fahrzeug wintertauglicher zu machen. Der 280 GE und der 300 GD können wahlweise mit einem vierstufigen Automatikgetriebe ausgestattet werden. Außerdem sind jetzt unter anderem Klimaanlage, Webasto-Zusatzheizung und Recaro-Sportsitze im Angebot. Und, endlich gibt es auch weitere Farben inklusive Metallic-Lackierungen.

Bei der gleichen Modellpflege vernachlässigt Mercedes-Benz die professionellen Geländewagenfahrer aber nicht. Für sie gibt es jetzt unter anderem eine Seilwinde, Gewehrhalterungen, Zusatztanks in den hinteren Kotflügeln mit einer Kapazität von 30 Litern, ein Tropendach für heiße Länder, ein Wisch-Wasch-System für die Hecktür, Längssitzbänke für die Ladefläche und ScheinwerferSchutzgitter. Außerdem lässt sich ein Nebenabtrieb ordern, um externe Zusatzgeräte anzutreiben, beispielsweise Generatoren oder Hydraulikpumpen.

Noch eine Sache ändert sich: Von Dezember 1981 an erhalten alle geschlossenen Varianten eine einteilige Tür am Heck, per Sonderausstattung gibt es eine Doppeltür; davor war es genau umgekehrt. Hier haben die Bestelleingänge klar die Mehrheitsmeinung wiedergegeben und die Spezifikation beeinflusst.

1982 ersetzt der 230 GE den 230 G. Das neue Fahrzeug hat einen Ottomotor mit Benzineinspritzung (125 PS/92 kW), und nur für einige Märkte ist der 230 G noch bis 1986 erhältlich, bevor er dort vom 230 GE ersetzt wird. Der 280 GE ist weiterhin im Programm, zunächst mit etwas stärkerer Motorleistung (155 PS/114 kW), die dann aber wieder auf 150 PS (110 kW) reduziert wird, um bleifreien Kraftstoff fahren zu können. Gleichzeitig werden die Fahrzeuge aufgewertet, unter anderem mit einem kleineren Vier-Speichen-Lenkrad, Schaltern und Sitzen aus den Mercedes-Benz Limousinen sowie Breitreifen auf Aluminiumfelgen, die in Kotflügeln mit angesetzten Verbreiterungen untergebracht sind.

Motorsport

Sportliche Erfolge beflügeln das Image des robusten Mercedes-Benz Geländewagens. So erringen beispielsweise im Jahr 1982 Jacky Ickx und Claude Brasseur auf einem 280 GE den zweiten Platz bei der Rallye Paris–Dakar, Jean-Pierre Jaussaud kommt ebenfalls mit einem 280 GE auf den dritten Platz. Im Folgejahr gewinnen Ickx/Brasseur die Rallye, die Karosserie ihres 280 GE ist im Windkanal optimiert worden und außerdem dank einiger Aluminiumteile leichter als in der Großserie. Unter der Motorhaube arbeitet ein auf 220 PS (162 kW) leistungsgesteigertes Aggregat. Die weiteren Jahre bringen dem Geländefahrzeug immer wieder neue Sporterfolge.

Inzwischen ein Sammlermodell: Rallye-Paris Dakar Fahrzeug
Inzwischen ein Sammlermodell: Rallye-Paris Dakar Fahrzeug

1983 geht die Zahl der Militär-Bestellungen deutlich zurück, womit der Zivilmarkt an Bedeutung gewinnt. Darauf reagiert das Unternehmen und bietet unter anderem vier weitere Metallic-Lackierungen an, ein Fünfganggetriebe für den 280 GE und den 300 GD, eine vierstufige Automatik für den 230 GE, beleuchtete Schalter sowie eine verbesserte Sitzeinstellung. Der Sicherheit dient ein Acht-Zoll-Bremskraftverstärker. Zwei Jahre später kommt die nächste Modellpflege. Sie bringt unter anderem einen Drehzahlmesser und Differenzialsperren an beiden Achsen. Wahlweise gibt es eine Zentralverriegelung. Verbessert werden der Teppichboden, der Dachhimmel und die Instrumententafel. Das kurze Cabriolet erhält ein Klappverdeck statt einfacher Plane. Gleichzeitig endet wegen zu geringer Nachfrage die Produktion der Transportervariante mit kurzem Radstand.

1986 wird endlich die Servolenkung zur Standardausstattung in allen Typen, sie kann sogar zum regulären Aufpreis nachgerüstet werden. Die vierte Modellpflege der Baureihe 460 im Jahr 1987 bringt eine erneut erweiterte Serienausstattung sowie neue Sonderausstattungen, etwa automatische Antenne, Doppelrollo als Gepäckraumabdeckung und elektrische Fensterheber.

Weiterentwicklung: Die 1990er und 2000er Jahre

1991 läuft die Baureihe 460 aus, und im Werk Graz bereitet man die Produktionsumstellung auf die modernere Baureihe 461 vor, die 1992 ihr Marktdebüt erlebt. Sie wendet sich an alle Kunden, die vor allem Wert auf die technischen Eigenschaften der G-Klasse legen und denen für professionelle Einsatzzwecke das Ambiente nicht zu wohnlich sein muss – das Militär, Landvermesser, Förster, Landschaftsgärtner oder Fernreisende etwa. Lieferbar sind die Typen 230 GE (122 PS/90 kW) und 290 GD als Saugdiesel (95 PS/70 kW). Der 250 GD (94 PS/69 kW) wird in der Baureihe 461 weiterproduziert, ist aber der Militärversion vorbehalten. Im Gegensatz zur Baureihe 463 mit permanentem Allradantrieb hat die Baureihe 461 einen zuschaltbaren Vierradantrieb mit Differenzialsperren an der Hinterachse; vorne gibt es sie als Sonderausstattung. Standard sind ein manuelles Fünfganggetriebe sowie ein Treibstofftank mit 96 Liter Fassungsvermögen.

Komfort-Ausstattungsmerkmale werden für die Baureihe 461 zunächst gestrichen, zum Beispiel elektrische Fensterheber oder eine verzögerte Innenraumbeleuchtung; später gibt es sie wieder. Dafür offeriert die Liste möglicher Ausstattungen weiterhin Dinge wie Nebenabtrieb und Handgas. Und für die Expedition gibt es ein „Schlechtwege-Paket für Export-Überseeländer“ unter anderem mit Reserverad innen, einem Tankstutzen, der für das Betanken aus Kanistern geeignet ist, und einer Unterlegplatte für den Wagenheber. Auch die „Schutzmaßnahme Grasbrand“ wird angeboten für den, der es brauchen könnte.

Die Baureihe 461 gibt es in drei Radständen und mit sieben Karosserie-Varianten. Die Kombinationsmöglichkeiten sind immens, sodass sich problemlos ein Fahrzeug für einen ganz bestimmten Zweck zusammenstellen lässt. Jeder Kunde ordert das, was er wirklich braucht.

1996 läuft der 230 GE auf dem deutschen Markt aus, dort ist nur noch der 290 GD erhältlich. Ein Fahrer-Airbag ist gegen Aufpreis lieferbar. Das Jahr 1997 bringt nun beispielsweise Tempomat und elektrische Fensterheber gegen Aufpreis. 1998 löst der 290 GD Turbodiesel (120 PS/88 kW) den 290 GD ab, außerdem gibt es eine Klimaanlage, Sitze aus der Baureihe 463 sowie das Viergang-Automatikgetriebe. Die Baureihe 461 wird schließlich im Jahr 2002 eingestellt.

Von 1989 an gehört die G-Klasse zur Personenwagensparte von Mercedes-Benz. Das macht sich in der neuen Baureihe 463 bemerkbar, die im September auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt/Main im September debütiert: Sie orientiert sich an Personenwagen der gehobenen Mittelklasse, die Ausstattung hat nun eine deutliche Ähnlichkeit zu den Limousinen mit Stern. Die Armaturentafel entspricht formal der Baureihe 124, Edelholz-Applikationen und komfortable Sitze gehören zur Serienausstattung. Zur Wahl stehen verschiedene Polsterbezüge inklusive Leder und auch diverse Farbtöne für die Innenverkleidung, sodass das Interieur farblich aufeinander abgestimmt werden kann. Lackiertes Blech ist dort nicht mehr zu sehen. Auch im Fond ist der Sitzkomfort verbessert. Die Baureihe 460 ist aber weiterhin erhältlich für jene Kunden, die einen etwas einfacheren Auftritt bevorzugen.

Die G-Klasse Baureihe 463

Mit Jahresbeginn 1987 beginnen sich die Macher des G-Modells Gedanken um eine höherwertige Baureihe zu machen. Sie erhält die Baureihennummer 463. Der Schritt ist erforderlich, da der mittlerweile sehr wichtige Markt für Zivilfahrzeuge beispielsweise nach einem Anti-Blockier-System und nach Airbags ruft, die tiefere konstruktive Eingriffe erfordern. Außerdem können sich immer weniger Zivilkunden mit dem rustikalen Charme einer „einfachen Jagdhütte“ auf Rädern anfreunden – mehr Komfort und Ambiente sind gefragt. Im Jahr 1989 markiert aber erst einmal ein Sondermodell des 230 GE mit besonders hochwertiger Ausstattung das zehnjährige Produktionsjubiläum. Bisher sind rund 75.000 G-Modelle hergestellt worden.

Die markantesten Merkmale der Baureihe 463: Die Frontpartie hat einen in Wagenfarbe lackierten Kunststoff-Kühlergrill, lackierte Scheinwerfer-Einfassungen und einen neuen Stoßfänger mit integrierten Nebelscheinwerfern. Am Heck finden sich größere Leuchten sowie in den Stoßfänger integrierte Nebelschlussleuchte und Rückfahrscheinwerfer. Das Auspuffrohr endet auf der Fahrerseite seitlich vor dem Hinterrad; ebenfalls seitlich statt am Heck befindet sich jetzt der Tankeinfüllstutzen.

„Modellpflege und Änderungsjahre haben den Diamanten in einen Brillanten verwandelt“, sagt Jürgen Hubbert, seinerzeit im Vorstand von DaimlerChrysler zuständig für das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Personenwagen. „Wir haben poliert und geschliffen, aber wir haben nie das Wesen, den Charakter dieses Autos verändert.“

Das – zunächst auf Wunsch erhältliche – Anti-Blockier-System (ABS) macht einen permanenten Allradantrieb erforderlich. Ein Längsdifferenzial sorgt dabei für den Ausgleich zwischen Vorder-und Hinterachse. Der permanente Allradantrieb hat Vorteile: Er erhöht die Fahrsicherheit auf jedem Untergrund, bietet für den Anhängerbetrieb ständige Traktion der vier Räder, und der Antriebsstrang wird beim Ziehen schwerer Lasten geringer belastet. Drei Differenzialsperren sind ebenfalls an Bord, die über drei Schalter in der Mitte der Armaturentafel bedient werden. Wird die mittlere aktiviert, schaltet sich automatisch das ABS aus: Bei starrem Durchtrieb sind die Räder nicht einzeln anzusteuern. Ohnehin lässt sich das ABS manuell ausschalten, was beim Bremsen auf losem Untergrund von Vorteil sein kann, weil blockierte Räder dort einen Bremskeil aufschieben, der den Anhalteweg verkürzt. Die Reihenfolge, in der die Differenziale gesperrt werden, um schrittweise die Geländegängigkeit zu erhöhen, ist mithilfe einer elektronischen Steuerung vorgegeben – erst das Mittel-, dann das Heck- und schließlich das Front-Differenzial. Ein wichtiger Nebeneffekt des neuen Antriebsstrangs: Das Fahrgeräusch vermindert sich deutlich.

Die Markteinführung der Baureihe 463 findet im April 1990 statt, zunächst mit den Typen 230 GE (126 PS/93 kW), 300 GE (177 PS/130 kW), 250 GD (94 PS/69 kW) und 300 GD (113 PS/83 kW). Im Mai 1992 ersetzt der 350 GD Turbodiesel mit 136 PS (100 kW) und serienmäßigem Viergang-Automatikgetriebe (ein Schaltgetriebe ist für diese Variante nicht erhältlich) die Typen 300 GD und 250 GD. Die erste Modellpflege zeigt, wohin die Reise dieser Baureihe geht: Eine Gepäckraumabdeckung, Tempomat, Trittbretter sowie eine Reserveradabdeckung aus Edelstahl setzen deutliche Akzente. In diesen Zeitraum fällt auch ein wichtiges Produktionsjubiläum der G-Klasse: Im Juni 1992 läuft der 100.000ste Geländewagen dieser Baureihenfamilie vom Band.

2014_44_g_13
1993: 500 GE als limitierte Sonderserie. Er hat einen V8-Motor mit 241 PS (177 kW)

Ein Jahr später feiert der 500 GE mit dem V8-Motor der Motorenbaureihe M 117 Premiere, und zwar in einer auf 500 Stück limitierten Auflage, die ausschließlich mit langem Radstand erhältlich ist. Der Motor leistet 241 PS (177 kW) und stammt aus der S-Klasse. Zur Serienausstattung gehören Automatikgetriebe, zweifarbige Lederausstattung, Walnussholz-Applikationen, Edelstahl-Trittbretter, elektrisches Stahl-Schiebedach, beheizbare Sitze vorne, Tempomat und eine Sonderlackierung namens Amethystblau.

1994

Zweite Modellpflege bei der Modellreihe 463 mit innenbelüfteten Scheibenbremsen vorn und Fahrerairbag.

1995

Alle Modelle der G-Klasse werden mit Zentralverriegelung, Fernbedienung und Wegfahrsperre ausgestattet.

1996

Das Cabrio der G-Klasse mit elektrohydraulischem Verdeck und der G 300 TURBODIESEL werden neu vorgestellt.

Modellpflege und Aufwertung der Serienausstattung durch Scheinwerfer-Reinigungsanlage, Tempomat und Beifahrerairbag.

1997

Die elektronisch gesteuerte Fünfgang-Automatik ist im G 300 TURBODIESEL und im G 320 erhältlich.

Der 290 GD TURBODIESEL mit 88 kW/120 PS löst den 290 GD mit Saugdiesel ab.

1998

Mercedes-Benz präsentiert den neuen G 500 mit V8-Motor (218 kW/296 PS). Dieses Modell ist das erste, das eine serienmäßige G-Klasse über die 200 KM/h fahren lässt.

2014_44_g_241999

Das Multifunktions-Lenkrad erweitert die Serienausstattung der G-Klasse.

Der G 55 AMG wird präsentiert. Sein V8-Motor leistet 260 kW/354 PS.

Der Mercedes-Benz G 500 Guard erscheint in drei verschiedenen Sonderschutzversionen.

2000

Die neuen Modelle des Jahrgangs 2001 werden auf dem Pariser Automobilsalon vorgestellt – mit neuem Interieur für noch mehr Komfort.

Neuer V8-Dieselmotor (184 kW/250 PS) im G 400 CDI.

Die V8-Modelle erhalten neue Leichtmetall-Felgen, verchromte Kühlermaske und Stoßfänger in Wagenfarbe.

2001

Auf der IAA in Frankfurt wird die G-Klasse mit neuen Fahrdynamiksystemen vorgestellt. Dazu zählen das Stabilitätsprogramm ESP, der Bremsassistent BAS sowie das neue Elektronische Traktions-System ETS.

2002

Der neue G 270 CDI mit 115 kW/156 PS starkem Fünfzylinder-Dieselmotor erscheint.

2003

Die G-Klasse erhält in die Außenspiegel integrierte Blinker.

2004

Weltpremiere des neuen G 55 AMG mit V8-Kompressormotor und  350 kW/476 PS. Der G 55 AMG absolviert die Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 5,5 Sekunden (Vorgänger: 5,6 s), die Höchstgeschwindigkeit lag bei elektronisch begrenzten 210 km/h.

2006

Der neue G 320 CDI mit Dieselmotor (165 kW/224 PS) und serienmäßigem Dieselpartikelfilter wird eingeführt.

2007

Eine neue Modellpflege. Heckleuchten in LED-Optik. Neues Kombi-Instrument mit vier von Chromringen eingefassten analogen Rundinstrumenten. Neues Vier-Speichen-Multifunktionslenkrad, modifizierte Mittelkonsole. COMAND APS serienmäßig in den Typen G 500 und G 55 AMG.

2008

Geänderter Kühlergrill mit drei Lamellen. Neuer V8-Motor mit 5,5 Liter Hubraum und 285 kW/388 PS. Bluetooth-Freisprecheinrichtung für das Mobiltelefon.

2009

Neue Sitzanlage und überarbeitete Innenraumgestaltung.

Sondermodell EDITION 30 und Edition 30 Pur
Der G 500 Edition 30 verfügt über eine aufgewertete Innenausstattung und exlusivem designo-Leder. Außerdem steht der G 280 CDI Edition 30 PUR in den Preislisten, eine auf dem W 461 basierende spartanisch ausgerüstete G
-Klasse mit dem V6-Turbodiesel und dem Antriebsstrang des 463ers.

2011

V6-Dieselmotor im G 350 BlueTEC mit modernster BlueTEC-Technologie und AdBlue®-Einspritzung für besonders niedriges Emissionsniveau und einer Leistung von 155 kW (211 PS).

2012

Neben Tagfahrlicht und neuen Spiegeln bekommen die G-Klasse Modelle eine neue Mittelkonsole aus dem ML (W 166) spendiert. Zwei neue AMG-Modelle kommen hinzu, womit der G 55 AMG abgelöst Der 5,5-Liter-V8-Biturbo im G 63 AMG leistet 400 kW (544 PS), der G 65 AMG mit einem sechs Liter großen V12-Biturbo-Ottomotor 450 kW (612 PS). Auch auf technischer Seite wurde die G-Klasse überarbeitet, so dass die 7G-Tronic Plus, beim G 63 AMG mit Start-Stopp-Automatik, und das Infotainmentsystem Comand Online mit Navigationssystem und Internetzugang serienmäßig ist sowie außerdem zahlreiche Assistenzsysteme erhältlich sind.

2013

Zur Produktionseinstellung des Cabriolets Ende 2013 wurde Mitte 2013 die auf 200 Exemplare limitierte Final Edition 200 eingeführt, die obligatorisch mit einem beigefarbenem Verdeck ausgestattet ist. Als Motor war ausschließlich der G 500 verfügbar.

G 63 AMG 6×6

2014_44_g_426×6-Allradtechnik, AMG-V8-Biturbo-Power und ein Auftritt, der keinerlei Zweifel aufkommen lässt: Mit dem G 63 AMG 6×6 wühlt sich ein Offroader in den Vordergrund, der abseits befestigter Wege das Nonplusultra in Sachen Vorwärtsdrang repräsentiert. 400 kW (544 PS), 6×6-Antrieb, Geländeuntersetzung, fünf Differentialsperren, Portalachsen, Reifendruckregelanlage und Spezialfahrwerk erlauben diesem Pickup ein Vordringen in Bereiche, in der die individuelle Mobilität normalerweise versandet. Wer angesichts dieser Eckdaten an ein Wettbewerbsfahrzeug à la Rallye Dakar denkt, ist auf dem Holzweg. Dank der Zutaten aus dem üppigen AMG Füllhorn in Sachen Innenraumveredelung genießen die Insassen auch bei allergrößten topografischen und meteorologischen Verwerfungen bestmöglichen Komfort. Apropos Holzweg: Den gibt es beim Wüsten-Funcar dann doch. Auf der Ladefläche – die ist mit massivem Bambus verkleidet.

2014

Zum 35. Geburtstag der G-Klasse gibt es das Sondermodell Edition 35 für die Modelle G 350 BlueTEC und G 500.
2014_44_g_52

Exterieur
Die 18-Zoll-Leichtmetallräder im 5‑Speichen-Design strahlen in Schwarz glänzend, Front- und Heckstoßfänger, Radlaufverkleidungen, Außenspiegel und das Dach in Obsidianschwarz Metallic. Zusammen mit den Lackierungen designo mysticweiß bright oder Palladiumsilber Metallic ergibt sich so ein interessanter Kontrast. Wer es dezenter mag, wählt für die Karosserie die Lackierung Obsidianschwarz Metallic. Das serienmäßige Sport-Paket, unter anderem mit AMG Kotflügelverbreiterung und beim G 500 mit Sportabgasanlage, sowie ein Chrom-Paket mit Chromeinlagen im Kühlergrill, Chromrahmen um Sitzverstellschalter und Lautsprecher oder Einstiegsleisten im Kofferraum mit Schriftzug „Mercedes-Benz“ setzen zusätzliche Akzente.
2014_44_g_55

Interieur
Wahlweise stehen zwei hochwertige Lederausstattungen zur Verfügung – entweder in zweifarbigem designo porzellan/schwarz oder einfarbigem designo schwarz. In beiden Fällen unterstreichen rote Kontrastziernähte die sportliche Note des Sondermodells. Zusammen mit dem Exklusiv-Paket mit belederter Instrumententafel, AMG Performance Lenkrad und designo Zierelementen in Klavierlack schwarz sowie dem Innenhimmel in edlem designo Mikrofaser DINAMICA schwarz ergibt sich ein sehr gediegenes Interieur.
2014_44_g_53

Die Grundpreise für die Edition 35 Versionen:
G 350 BlueTEC: 84.900,00 Euro (101.031,00 Euro inkl. 19 % MwSt.)
G 500: 94.800,00 Euro (112.812,00 Euro inkl. 19 % MwSt.)

Die beinahe abonnierten Preise bei Leserwahlen rund um den Globus zeigen, dass die G-Klasse auch heute noch ihre Fans hat – und wohl auch in Zukunft haben wird. Nicht umsonst hat man bei Daimler bei der Bekanntgabe der Einstellung des Cabrios im Jahr 2013 betont, dass die Verlängerung des G-Klasse Produktionsvertrages bis 2020 bereits 2012 abgeschlossen wurde.

(Quelle: Daimler AG, „G 63 6×6„, „G-Klasse Geschichte“, „Erfolgstyp„, „Edition 35„, Bilder: Daimler AG)

Schreibe einen Kommentar