Gorden Wagener, Leiter Design Daimler AG, stellt sich den Fragen von Mercedes-Fans.de

Autos werden immer emotionaler. Ein gutes Design hilft, das eigene Modell stärker vom Wettbewerb zu differenzieren. Denn schlechte Autos gibt es eigentlich nicht mehr. Eine emotionale Formensprache ist daher umso wichtiger geworden! Doch gutes Design schaut nicht nur gut aus, sondern es vermittelt auch Werte und Ideen – findet Mercedes-Benz Chef-Designer Gorden Wagener. (=>das zwischen diesen Zeichen sind meine Kommentare!<=)

2014_37_wagener_1Wann ist Design gutes Design?

Gutes Autodesign zeichnet sich für mich durch 3 Aspekte aus: Intellekt, Emotion und Handwerk – alles muss stimmen. Mit Intellekt meine ich, wie neu das Produkt ist und wie sehr es die Marke interpretiert. Handwerk wiederum bedeutet, eine professionelle, gut gemachte Ausführung und zur Emotion, das Fahrzeug muss mich ansprechen, es muss Begeisterung und Leidenschaft hervorrufen.

Welche Markenwerte will das Mercedes-Benz Design transportieren bzw. vermitteln?

Design ist markenprägend und Mercedes steht für modernen Luxus. Deshalb schaffen wir Lebensräume, in denen unsere Kunden modernen Luxus erleben können. Im Mittelpunkt unseres Schaffens steht dabei sinnliche Klarheit, denn sie bringt einen wesentlichen Aspekt der Marke – die Bipolarität aus Intelligenz und Emotion – exakt auf den Punkt.

Diese beiden Pole waren bereits vor fast 130 Jahren im Naturell der beiden Erfinder des Automobils Carl Benz und Gottlieb Daimler angelegt – Benz, der eher rational handelnde und Daimler, der mehr von Leidenschaft und Genuss geprägte.

Wie setzt Design dann diese Mercedes-Benz Werte „gestalterisch“ innen und außen um?

Innen wie außen gestalten wir unsere Fahrzeuge immer emotional und intelligent. Und wir sind mutig, unter andere weil wir neue Formen schaffen, die keiner erwartet, die aber den innovativen Status eines Autos angemessen widerspiegeln.

Damit zeigen wir, dass man mit avantgardistischen Ideen begeistern und dem Geist der Marke trotzdem treu sein kann. Unser Design zeichnet sich durch dreidimensional geformte Flächen und kraftvolle Volumen aus – und weckt so Emotionen und spiegelt natürliche Schönheit wider.

Auch bei der Gestaltung des Interieurs spielt die Designphilosophie der sinnlichen Klarheit eine wichtige Rolle. Sie definiert formal einen modernen Luxus, der nach emotionalen, authentischen Erlebnissen fragt.

Deshalb rücken wir im Interieur Hightech und traditionelle Handwerkskunst immer stärker in den Mittelpunkt. Aus dieser Reduktion auf das Wesentliche reift wirklicher Genuss.

Ist der uns präsentierte Mercedes-AMG GT ein „Bannerträger“ des neuen Designs? Was zeichnet ihn als solchen aus?

Der Mercedes-AMG GT ist Emotion pur und somit ist er schon ein Leuchtturm unserer Designsprache. Er schafft es, Schönheit und Intelligenz perfekt zu vereinen.

Gibt es eine bestimmte Formensprache, die edler als andere Formensprachen ist? Was macht Sie sicher, dass die von Ihnen gewählte Formensprache auch beim Kunden ankommt?

Wir erleben momentan einen sehr hohen Zuspruch zu unserem aktuellen Design. Dies zeigt sich durch direktes Kundenfeedback und natürlich auch durch steigenden

Absatzzahlen und eine sehr hohe Eroberungsrate beispielsweise unserer neuen Kompakten. Dies alles sind für uns Zeichen, dass unser aktuelles Design beim Kunden gut ankommt.

Wenn das Design-Team eine Linie gefunden hat, läuft man dann Gefahr, dass diese Linie auf mehrere Baureihen angewendet wird und sich dann Modelle zu sehr ähneln? Das Audi-Phänomen der Matrjoschka-Puppen ist jetzt auch bei Mercedes-Benz gesichtet worden. Unser C180-Testwagen wurde auch schon für eine S-Klasse gehalten. Ungeachtet aller Designströmungen, gibt es so etwas die ewigen Daimler Design Elemente?

Definiert wird die Mercedes-Benz Designsprache durch fest verankerte Grundsätze. So steht für uns immer im Fokus, die Fahrzeuge einzigartig und dabei kontrastreich und belebend zu gestalten sowie begeisternde Proportionen zu schaffen. Klare Grundformen, die sinnlich fließend ausgestaltet sind und eine raffinierte Gestaltungstiefe aufzeigen, stehen im Mittelpunkt, wodurch jeder Mercedes-Benz eine natürliche Anziehungskraft ausstrahlt.

Wir interpretieren die Designphilosophie allerdings dem Charakter jedes Modells entsprechend neu, wodurch jede Baureihe einen eigenständigen Charakter erhält.

=>Also, ich finde die aktuellen MB-Fahrzeuge zwar schon schick gemacht, aber wo man noch einen Unterschied zwischen den Baureihen erkennen soll, das bleibt das Geheimnis von Herrn Wagener – sorry: Aber schau mal in den Rückspiegel und sage spontan, ob da eine SLK- , SL- , CLS- oder CLA-Klasse hinter Dir her fährt. Das geht nur, wenn man die Linie des Tagfahrlichtes beim entsprechenden Modell kennt…<=

Wird es den Stern auf der Haube auch in der nächsten Fahrzeug-Generation geben?

Unsere Kunden befinden sich stetig im Wandel, weil sich Geschmäcker und Lebensstile im Laufe der Zeit ändern. Zudem gilt: Andere Länder, andere Sitten! Ein Mercedes-Benz muss heute weltweit Akzeptanz finden, nicht nur im Heimatmarkt. Wir bieten daher bereits seit einigen Jahren einige unserer Modelle mit der Option „Stern auf der Haube“ oder „Zentralstern im Kühlergrill“ an und dies werden wir auch in Zukunft so halten.

=>Und auch da muss ich fragen: Wurden die Kunden dazu befragt? Denn wenn man das nur aus Verkaufszahlen ableitet, wird man sich wohl täuschen lassen. Da man „Avantgarde“ und „AMG-Paket“ ja nur mit Zentralstern bekommt, kann man, wenn man es etwas sportiver will, nur mit Zentralstern rumfahren – ob man das gut findet – oder eben auch nicht. Wenn man schon die Wahlmöglichkeiten anpreist, dann doch bitte auch vergleichbar….<=

Können Sie nachvollziehen, dass das freischwebende Display auf Kritik stößt? Leistet man dann Überzeugungsarbeit?

Wie kaum ein anderes Merkmal eines Autos unterliegt das Design in all seinen Facetten dem individuellen Geschmack. Daher wird es auch zu einzelnen Aspekten unseres Designs immer wieder Diskussionen geben. Wir binden Kunden allerdings schon sehr früh in unseren Entwicklungsprozess ein. Das haben wir auch beim freischwebenden Display so gemacht und hohe Zustimmung gefunden. Daher sind wir überzeugt von diesem Element.

=>Auch hier belustigend: Egal mit wem ich mir neue Mercedes-Modelle anschaue: Dieser irgendwie „rumstehende“ Monitor kommt aber wirklich bei niemand gut an – aber der Rest ist sehr schön gemacht, daher „lebt“ man eben mit diesem „Ding“.

Also, auch wenn sich die Fahrzeuge verkaufen, es jedes für sich sehr schöne Fahrzeuge sind – die Kritik, die in den Fragen formuliert wird, einfach so wegzuwischen ist in meinen Augen bedenklich.

Mercedes-Benz hat in den 1980er Jahren schon mal alle Limousinen – W 201, W124, W426 – C-, E-, und S-Klasse – in optisch sehr ähnlichem Style produziert. Das hat mittelfristig zu Absatzrückgängen geführt… Insofern sollte man das nicht einfach so abtun, finde ich.<=

(Quelle und Bilder: Mercedes-Fans.de, „Interview Gorden Wagener„, Daimler AG)

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