Großer Preis von Abu Dhabi 2014 – Vorschau

Jetzt also kommt das Wochenende, auf das die ganze Saison zuläuft: Das Formel 1 Finale in dem es für die beiden Mercedes Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton um den Titel geht.

Die Rechenbeispiele sind inzwischen durch die Medien hinlänglich besprochen – wenn Rosberg gewinnt und Hamilton bestenfalls dritter wird, wird Rosberg Weltmeister, ist Hamilton besser als Platz drei, ist Hamilton Weltmeister, wenn beide ausfallen ist auch Hamilton Weltmeister.

Die Entscheidung: Rosberg vs. Hamilton

2014_47_f1_1Nico Rosberg fühlt sich nach eigenen Angaben wie bei einem „WM-Finale, in dem man 0:1 zurück liegt“. Aber er bleibt optimistisch: „Ich glaube fest daran, dass ich den Titel gewinnen kann. Es ist erst vorbei, wenn die Zielflagge fällt!“ Für Mercedes-Motorsport-Chef Toto Wolff ist es hingegen einfach: Er wurde geholt, um das Team an die Spitze zu bringen. Seine Mannschaft wurde Konstrukteurs-Weltmeister, der Fahrer Titel geht auf jeden Fall an einen Mercedes-Piloten – also, besser kann es für ihn nicht laufen. Daher lässt er sich auch nur ein salomonisches „Möge der Bessere gewinnen!“ abringen. Für Technik-Chef Paddy Lowe, steht natürlich im Vordergrund, dass kein technisches Problem über den Titel entscheidet: „Unser Ziel ist es, beiden Fahrern die gleiche, faire Chance auf den Titel zu geben. Das ist für uns das Wichtigste bei der Vorbereitung auf dieses Rennen.“

Andererseits ist genau das ein Problem: Die Rennwagen sind am Ende ihres Lebenszyklus, mit technischen Ausfällen ist – wie in Brasilien – beim letzten Rennen zu rechnen. Bleibt also zu hoffen, dass der Titel nicht so entschieden wird.

Empfehlungen für 2015

Mit Jenson Button bangt nun ein Weltmeister um ein Cockpit für die kommende Saison – von Piloten wie Adrian Sutil ganz zu schweigen. Und alle, die noch keinen festen Arbeitsplatz für die kommende Saison haben, werden hier noch einmal eine Visitenkarte abgeben möchten. Kampflos gibt hier sicher niemand einen Platz auf, bei Überrundungen könnte davon auch eine Gefahr ausgehen.

Bei Button gibt es noch keine Nachrichten, McLaren möchte sich zum fahrenden Personal erst im Dezember äußern. Denn auch eine Kombination Button / Alonso wäre denkbar. Oder Button sucht sich selbst ein neues Cockpit, wobei die Spitzenplätze natürlich weg sind. Oder er hört auf…oder… wir werden sehen!

Streckenverlauf

Der Yas Marina Circuit besitzt relativ wenige High-Speed-Passagen. Abgesehen von den Kurven eins bis vier besteht eine Runde mit ihren 21 Kurven hauptsächlich aus langsamen Kurven und Geraden. Ein unerwartetes Ergebnis des Streckenverlaufs ist ein Mangel an Überholmanövern. Das prominenteste Beispiel dafür war die Titelentscheidung in der Saison 2010. Zwischen den Kurven sieben und acht verläuft eine extreme lange Gerade. Die Geschwindigkeit auf dieser ist jedoch abhängig davon, ob man im vorhergehenden langsamen Abschnitt mit wenig Grip nahe genug am Vordermann dran bleiben kann. Die 2014er Fahrzeuggeneration kann anderen Autos leichter folgen als ihre Vorgänger. Dadurch gab es mehr Überholmanöver als in den vergangenen Jahren. Dennoch stellt ein erfolgreiches Manöver auf dieser Strecke keine einfache Aufgabe dar.

Reifen

In den vergangenen beiden Jahren kamen in Abu Dhabi die weiche und die mittlere Reifenmischung zum Einsatz. In den Saisons 2012 und 2013 gab es deshalb hauptsächlich einen oder zwei Stopps. In diesem Jahr werden die weiche und die superweiche Mischung eingesetzt. Eine aggressive Wahl, wenn man bedenkt, dass der Option-Reifen im Vorjahr nur eine Handvoll Runden verwendet wurde. Die folgenden beiden Stints wurden auf den Prime-Reifen absolviert. Die 2014er Reifenmischungen sind ungefähr eine halbe Stufe härter als ihre Vorgänger. Dennoch könnte es auch in diesem Jahr in Abu Dhabi ein Drei-Stopp-Rennen geben. Dies kann wie in Brasilien zu verschiedenen Strategieentscheidungen, mehreren Positionswechseln und dem Potential zu vielen Zweikämpfen im gesamten Feld führen.

Rennen in der Abenddämmerung

Immer mehr Rennen finden in der Abenddämmerung statt. Dies führt zu schwankenden Streckentemperaturen zwischen den verschiedenen Sessions des Wochenendes. An einem normalen Rennwochenende schwanken die Strecken- und Umgebungstemperaturen vielleicht um fünf bis zehn Grad. In Abu Dhabi fällt dieser Wert viel höher aus. Der Einfluss auf die Performance kann dabei mehr als eine halbe Sekunde pro Runde betragen. Darauf müssen sich die Teams einstellen, um bei der Abstimmung nicht vom richtigen Weg abzukommen. Ein Überhitzungsproblem könnte somit im zweiten Training nicht so groß sein wie im ersten. Ein zu großer Ausgleich würde also das Risiko bedeuten, den falschen Weg bei der Balance einzuschlagen. Die Teams können hierbei auf ihre Erfahrungen aus Singapur und Bahrain zurückgreifen. Dennoch müssen sie genau darauf achten.

Jetzt offiziell: Vettel geht zu Ferrari

2014_47_f1_2Nun ist es also offiziell, was man seit Wochen weiß: Sebastian Vettel heuert beim „Kult-Rennstall“ Ferrari an. Am Donnerstag begrüßte ihn die Scuderia auf ihrer Homepage. Und natürlich sehen in ihm schon einige in ihm den „Heilsbringer“. Als Michael Schumacher kam – und z.B. den obligatorischen Rotwein zur Pasta verbieten ließ – hatte er nicht nur Freunde. Als er weg war, wuchs die Sehnsucht nach den Erfolgen, die man mit ihm feierte. So hat es Vettel zwar anfangs einfacher als sein Landsmann – andererseits muss er „liefern“, denn Gegenwind der italienischen Fans und Presse ist sicher ungemütlicher, als das, was hierzulande verfasst wird, wenn er nicht vorne mitfährt.

Die am Montag und Dienstag nächster Woche anstehenden Tests für die kommende Saison darf Vettel jedoch noch nicht für seinen neuen Arbeitgeber fahren – er erhält keine Freigabe von Red Bull, was zeigt, dass auch menschlich die Luft aus dieser Paarung wohl „raus“ ist.

Fernando Alonso wird sich auf jeden Fall mit einem besonderen Helmdesign vom Team und von Ferrari verabschieden.

Der unbekannte Dritte: Williams

Das Team Williams ist optimistisch, nicht nur um Platz drei auf dem Siegerpodest zu fahren. Die Piloten sind optimistisch, da in Brasilien offenbar ein technisches Problem verhinderte, dass sie schneller fuhren. Und dieses Problem sei gelöst – für Bottas und Massa scheint also keineswegs klar, dass Rosberg und Hamilton den Sieg untereinander ausmachen.

Ecclestone peilt Rückkehr des Indien GP an / Oder einen zweiten US GP in Las Vegas?

Ob das die richtige Strategie ist, sich schwindenden Zuschauerzahlen entgegen zu stellen? Weiter auf Kursen zu fahren, in Ländern, in denen Formel 1 keine Tradition hat?

Gestrichen wurde der GP wegen einer Steuerthematik: In Indien müssten alle, die in diesem Rennen Geld verdienen, dieses (anteilig) in Indien versteuern. Das ist dann offenbar vom Tisch.

In Las Vegas, so wird spekuliert, soll ein zweiter US-GP stattfinden. Für Las Vegas wäre das sicherlich eine gute Imagekampagne, denn die Einnahmen aus dem Glückspiel-Geschäft sinken offenbar. Die Formel 1 war bereits 1982 zu Gast in „Sin-City“.

Dagegen ist Eccelestone weiterhin der Auffassung, dass Auftritte in den sozialen Medien für die Formel 1 sinnlos sind – er würde lieber einen 70-jährigen ansprechen als einen Teenager, meint er. Damit steht auf jeden Fall eines fest: Die Formel 1 in ihrer heutigen Form hat ein biologisches Ende, denn die „alten“ von heute interessieren sich für diesen Sport nur deshalb, weil sie ihn seit Jahrzehnten verfolgen. Interessiert es einen in jungen Jahren nicht, wo soll die Begeisterung im Alter herkommen?

Drittes Auto als „Lückenfüller“?

Um das Starterfeld voll zu haben, ist die Variante, dass die Teams drei Autos einsetzen (können/sollen) offenbar derzeit favorisiert. Natürlich, denn die Teams, die sich das leisten können, werden im Lauf des Jahres sicher weniger wahrscheinlich insolvent als die „kleinen“ Teams, die in jedem Jahr ums Überleben kämpfen.

(Quelle: Daimler AG, „Vorschau Abu Dhabi GP 2014„, Bild: Daimler AG und Screenshot Scuderia Ferrari)

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