Großer Preis von Singapur 2014 – Vorschau

Der 14. WM-Lauf der Formel 1-Saison 2014 findet am Wochenende beim Großen Preis von Singapur auf dem Marina Bay Street Circuit statt.

Und das ist schon optisch etwas ganz besonderes, das einzige reine Nachtrennen der Saison – das fernsehrfreundlich für Mitteleuropäer um 14 Uhr MESZ gestartet wird.

2014_38_f1_1Interessant wird während des Rennes sein, wie sich die Teams an die Umsetzung der neuen Regelauslegung beim Funkverkehr halten werden – denn so richtig genau weiß offenbar noch niemand, was man denn nun dem Fahrer sagen darf und was nicht. Vom Grundsatz her soll der Fahrer nicht von der Box beeinflusst werden, er soll selbst sehen, in welchen Kurven und Streckenabschnitten er schneller fahren kann – oder eben auch nicht. Aber was genau gesagt werden kann und darf – wir werden es erleben… „Iceman“ Kimi Räikkönen lässt das Funkverbot relativ kalt – was auch zu erwarten war, schließlich hatte man nie den Eindruck, als würde er auf die Ansagen auf der Box wirklich Wert legen – ihm wird es sogar besser gefallen, wenn man ihm seine Ruhe lässt.

Ob Nico das Rennen in Monza „absichtlich“ als „Wiedergutmachung“ verloren hat oder ob er gegen den schneller werdenden Hamilton „Nerven“ gezeigt hat – nun kann die Antwort auf der Strecke erfolgen, was den Piloten sicher am Liebsten ist.

Vettel unter Druck

Red Bulls Motorsport-Berater Helmut Marko macht Druck auf Sebastian Vettel. Denn im Nachwuchsstall der Roten Bullen warten einige Piloten auf ein freies Cockpit – und auf ihre Chance wie Daniel Ricciardo in diesem Jahr. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es für Red Bull recht einfach: Vettel verdient geschätzte 22 Mio. EUR pro Jahr – Ricciardo offenbar eine halbe Mio. Marko sagte denn auch, dass Vettel der „teuerste Posten“ im Red Bull Nachwuchsprogramm sei. Und wenn man das alles zusammen nimmt, ist es nicht verwunderlich, dass Vettel immer wieder mit McLaren und Ferrari in Verbindung gebracht wird – auch wenn er einen Vertrag bis Ende 2015 hat. Für Vettel geht es langsam also „um die Wurst“…

Fernando Alonso

Der Ferrari Pilot ist genervt von den Wechselgerüchten, die ihm italienische Medien angedichtet haben. Er kommentiere diese Gerüchte nicht mehr, stellt jedoch klar, dass es für ihn nicht zur Debatte steht, seinen Vertrag nicht zu erfüllen. Im Gegenteil, ginge es nach ihm, würde er den Vertrag mit den Roten sogar verlängern. Daneben hofft er auf ein besseres Ergebnis als in Monza, da die Strecke dem Ferrari besser liegen sollte.

Nico Rosberg nennt vor dem Wochenende noch die Besonderheiten des Rennens – neben dem Zeitplan, schließlich fährt man hier in der Nacht (Start: 20 Uhr Ortszeit). „Als Fahrer müssen wir ein spezielles Trainingsprogramm absolvieren, um auf solche Rennen physisch vorbereitet zu sein. Man verliert bis zu vier Liter an Flüssigkeit während des Rennens. Das kann recht kritisch sein, da es sich auf deine Konzentrationsfähigkeit auswirkt. Die Schlussphase des Rennens macht nie viel Spaß, da man überall Schmerzen hat. Singapur gehört auch zu den längsten Rennen des Jahres. Wir fahren fast in jedem Jahr bis an die Zwei-Stunden-Marke heran.

Die Strecke macht es einem auch nicht einfacher. Man ist am Lenkrad ständig beschäftigt, um das Auto auf der Strecke zu halten. Es gibt absolut keine Zeit zur Entspannung. Eine Kurve folgt auf die andere. Es gibt nur sehr wenige Geraden und der Kurs hat die meisten Kurven im Rennkalender. Das macht das Rennen selbst bei normalen Bedingungen zu einer riesigen physischen Herausforderung. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit ist Singapur eines der härtesten Rennen der Saison.

Auf einem Straßenkurs wie diesem kann selbst der kleinste Fehler weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Die Strecke ist sehr eng und die Mauern sind sehr nah.“

Streckeneigenheiten

In Singapur fahren die Autos über eine Brücke – eine unübliche Situation auf den meisten Strecken. Die Brücke ist magnetisch, weil darunter immense Stromkabel verlaufen. Besonders stark sind die Stromleitungen für die Straßenbahn. Dadurch entstehen jede Menge elektrische Störungen. Dies kann zu Aussetzern der Datensysteme führen und sogar einige Fahrzeugkomponenten beeinflussen.

Reifen

Bei diesem Rennen kommen die weiche und die superweiche Mischung zum Einsatz. Das ist die Standard-Reifenwahl für den Marina Bay Circuit. Wie sich in Monaco gezeigt hat, sollte dies keine Schwierigkeiten bereiten. Uns dürfte ein ähnliches Szenario wie in der vergangenen Saison erwarten. Ein interessanter Aspekt in Singapur ist, dass sich die Streckentemperatur beim Sonnenuntergang auf dem Niveau der Umgebungstemperatur einpendelt. Zu dieser Jahreszeit beträgt diese normalerweise 30 Grad. Obwohl es sich hierbei nicht um einen besonders hohen Wert handelt, überhitzen die Reifen hier regelmäßig. Der Grund dafür sind eine Reihe von Kurven, die die Reifen stark belasten, und die wenigen Geradeausstücke, sodass sich die Reifenoberfläche nur wenig abkühlen kann. Dies ist ein weiterer Grund dafür, warum Abtrieb in Singapur so entscheidend ist. Je mehr Downforce ein Auto besitzt, desto besser wird es mit dem Überhitzen der Reifen umgehen.

Safety Cars

Die enge Streckencharakteristik erhöht die Wahrscheinlichkeit für Zwischenfälle. Dadurch ist es auch schwierig, ausgeschiedene Autos zu entfernen. Da die Strecke im Vergleich zu anderen Rennen wie etwa Melbourne relativ neu im Rennkalender ist, sind die Streckenposten noch nicht so erfahren im Umgang mit solchen Situationen. Sie leisten gute Arbeit, doch es kann im Vergleich zu vergleichbaren Kursen etwas länger dauern, bis das Rennen wieder freigegeben wird. Es gibt auch nicht so viele Zugangsstellen wie etwa in Monaco. Jeder dieser Faktoren kann zu einer längeren Safety Car-Phase führen. Somit dauert das Rennen oft bis an die Zwei-Stunden-Grenze.

Upgrades

Singapur ist eines der wichtigsten Rennen für Upgrades. Anstatt regelmäßiger, kleiner Veränderungen bringen die meisten Teams hier große Update-Pakete mit. Nach den beiden Low-Downforce-Strecken in Spa und Monza macht es Sinn, die High-Downforce-Pakete auf dieser Strecke einzuführen. Insbesondere da die Teams dafür viel Entwicklungszeit hatten. Suzuka ist noch einmal ein Balanceakt, aber ein solches Paket kann danach sicherlich bei allen verbleibenden Rennen eingesetzt werden.

Wetter

Seit dem Debüt des Singapur Grand Prix in der Saison 2008 gab es keine einzige nasse Session. Einmal waren wir nah dran, aber dann kam es doch nicht dazu. Daran wird sich wohl kaum etwas ändern. In Singapur regnet es meistens am späten Nachmittag. Zu diesem Zeitpunkt wird jedoch nicht gefahren. Dennoch stellt das Wetter eine große Unbekannte dar. Diese muss man in einer ruhigen Phase genau vorbereiten, damit man nicht in der Hitze des Gefechts damit konfrontiert wird. Von der Visierwahl über die Lenkradbildschirme bis hin zu den Boxenstoppabläufen: Alles, was dem Fahrer vielleicht dabei helfen könnte, sich an das Fahren im Nassen anzupassen, könnte entscheidend sein. Gleichzeitig ist es nochmals eine Erwähnung wert, dass die Temperaturen normalerweise konstant bei 30 Grad liegen – bei Tag und Nacht. Gemeinsam mit der hohen Luftfeuchtigkeit bedeutet dies, dass die Fahrer und Mannschaften hart arbeiten müssen, um in Bestform zu bleiben.

Veränderter Zeitplan

Es wird oft darüber gesprochen, wie man am effektivsten mit dem verschobenen Zeitplan in Singapur umgeht. Dies ist ein entscheidendes Thema. Dabei gibt es mehrere Herangehensweisen. Die erste ist, die Umstellung bis zum Renntag hinauszuzögern. Dann gibt es die progressivere Variante. Hier stellt man sich so früh wie möglich um und verteilt den Prozess über mehrere Tage. Egal für welche Philosophie man sich entscheidet, das Endergebnis ist meistens das gleiche: Die Teammitglieder stehen zur Mittagszeit auf und gehen beim Sonnenaufgang am nächsten Tag schlafen. Von außen betrachtet scheint das eine einfache Umstellung zu sein. Dennoch ist es für den menschlichen Körper eine verwirrende Situation. Denn dieser funktioniert grundlegend so, dass er bei Tageslicht wach bleiben möchte. Somit ist es für alle Beteiligten nicht so einfach, wie es scheint, Höchstleistungen zu vollbringen und Fehler zu Zeiten zu vermeiden, in denen der Körper normalerweise ruht.

(Quelle und Bild: Daimler AG, „Vorschau GP Singapur 2014„, eigene Recherche)

 

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