Großer Preis der USA 2014 – Vorschau und Aktuelles aus der Formel 1

Nach dem Gewinn des Konstrukteuers-Titels und den Feierlichkeiten an den Team-Sitzen konzentrieren sich die Fahrer auf die noch ausstehende Entscheidung um die Fahrer-WM. Lewis Hamilton hat als Führender und vor allem als Gewinner der letzten Rennen zwar im Moment einen „Lauf“ – aber da es im letzten Rennen doppelte Punkte gibt, denke ich, dass es bis dahin spannend bleibt. Allzumal Nico Rosberg aus dem Marken-Titel auch ein wenig Motivation ziehen sollte – schließlich ist er als einziger der heute in der Öffentlichkeit handelnden von Anfang an dabei. Es ist gewissermaßen auch sein „Baby“, das dieses Jahr die Meisterschaft dominiert.

2014_44_f1_1Für das Team geht es es nun neben dieser Entscheidung darum, den Erfolg auch im kommenden Jahr zu sichern – Red Bull hat ja bereits den Fehde-Handschuh in den Ring geworfen.

Andererseits will das Team beiden Fahrern die gleiche Waffe zur Verfügung stellen – damit es ein Kampf „unter Gleichen“ ist – also dürfen einfach keine Fehler passieren, obwohl man bereits entspannt sein könnte.

Circuit of the Americas

Eine Runde im Simulator kannst Du hier mit Leweis Hamilton erleben und Dich so schon einmal vorbereiten.

Streckenverlauf

Die Strecke in Austin besitzt ein interessantes Layout, das von einigen der berühmtesten Stellen bekannter Rennstrecken aus aller Welt inspiriert wurde. Die Runde beginnt mit einer schnellen Passage durch die „S“-Kurven (Kurven zwei bis sechs). Hier sind viel Abtrieb, eine gute Balance und Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten gefragt. Vor der überhöhten ersten Kurve liegt eine Bergauf-Bremszone. Auch hier ist eine gute Fahrzeugbalance gefragt. In den lang gezogenen Rechtskurven 16 bis 18 ist es schwierig, die Geschwindigkeit aufrechtzuerhalten. Ebenso knifflig ist es, diesen Kurvenkomplex Runde für Runde richtig hinzubekommen. Die Gegengerade ist eine der längsten des Jahres. Hier bietet sich aufgrund einer DRS-Zone sowie der folgenden, langsamen Haarnadel eine der besten Überholmöglichkeiten des Kurses. Die Start-/Zielgerade ist zwar nicht so lang, bietet dank DRS aber ebenfalls eine gute Überholgelegenheit vor Kurve eins. Diese lässt zudem am Kurven-Eingang sowie am Ausgang verschiedene Linien zu. Der Streckenverlauf an sich ist für keinen bestimmten Aspekt des Fahrzeugs besonders anspruchsvoll. Er bietet eine gute Mischung mit ein paar einzigartigen Charakteristiken. Es gibt zwar eine lange Gerade, aber man kann viel mehr Zeit in den Kurven gutmachen. Somit ist der Abtrieb viel wichtiger. Die Belastung der Bremsen und Reifen liegt im mittleren Bereich.

Reifen

In der Saison 2013 setzte fast das gesamte Feld auf eine Ein-Stopp-Strategie. In diesem Jahr hat sich Pirelli jedoch für eine weichere Reifenauswahl entschieden. Es kommen die mittlere und die weiche Mischung zum Einsatz. Vor einem Jahr waren es in Austin noch die harte und die mittlere Reifenmischung. Im Verlauf des Jahres fährt eine Reihe an Rennserien auf der Strecke. Dadurch stabilisiert sich der Zustand der Streckenoberfläche. Diese wird deshalb genauso aggressiv, wenn nicht sogar noch aggressiver als im letzten Jahr sein. Dabei ist die weiche Mischung eine relativ unbekannte Größe, die für eine neue Herausforderung sorgen wird. Die mit der mittleren Mischung gesammelten Daten sollten einander entsprechen – und diese Mischung hat in Austin bislang gut funktioniert. Die Performance der weichen Reifen muss unter diesen Bedingungen jedoch erst bestimmt werden. Insgesamt sind die 2014er Reifenmischungen einen halben Schritt härter als die des Vorjahres. Somit könnte die veränderte Reifenwahl weniger ins Gewicht fallen. Diese Annahme ist an sich richtig. Die Charakteristik der neuen V6 Hybrid-Motoren mit mehr Drehmoment und Leistung – gepaart mit weniger Abtrieb an der Hinterachse – gleicht das jedoch wieder aus. Ein Beweis dafür sind die durchschnittlichen Boxenstopps in dieser Saison im Vergleich zum letzten Jahr, die eng zusammenliegen.

Wetter

Zu dieser Jahreszeit kann es in Austin sehr kalt sein. An einigen Rennwochenenden kamen die Teams am Morgen bei gerade einmal fünf Grad an der Strecke an. Im Verlauf des Wochenendes können die Temperaturen zwischen 18 oder 19 bis 27 oder 28 Grad schwanken. Diese Schwankungen scheinen stets auf das Grand Prix-Wochenende zu fallen. Die vorhergehende Woche ist oftmals relativ warm, die folgende oft relativ kalt. Dafür gibt es natürlich keine Garantien. Die Teams müssen sich demnach auf alle Bedingungen einstellen.

Jules Bianchi

Zum Gesundheitszustand von Jules Bianchi gibt es leider keine Neuigkeiten. Nach wie vor wird der Zustand als „kritisch aber stabil“ beschrieben. Wenn man aber die Bilder vom Crash gesehen hat – die ich aus rechtlichen Gründen nicht zeigen kann (aber die hier zu sehen sind: Focus-Online, Bianchi-Unfall) wird aber auch klar, dass das ein heftiger Unfall war. Wenn die Gerüchte stimmen, war er mit 92 g einer Belastung des 92-fachen seines Körpergewichts ausgesetzt!!!

Virtuelles Safety Car

Am kommenden Wochenende wird das virtuelle Safety Car zum ersten Mal getestet. Die Regel besagt, dass man nach einem Crash 35% langsamer fahren muss, als vorher mit Vollgas im Trockenen. Eine Anzeige im Display zeigt an, ob man aktuell diese Vorgabe einhält. An einer Unfallstelle darf die Marke auf keinen Fall überschritten werden, auf dem Rest der Runde zählt die Durchschnittszeit.

Beim GP der USA wird man das System testen, danach wird man entscheiden, ob die Regel eine Zukunft hat.

Caterham und Marussia

Beide Teams werden nun definitiv nicht an den Start gehen. In der vergangenen Woche gab es noch widersprüchliche Mitteilungen, in der Zwischenzeit scheint die Messe gelesen: Das Aus für beide Teams scheint besiegelt.

Und hier ist das Thema von letzter Woche wieder aktuell: Red Bull, Ferrari, Mercedes und Williams machen die ersten 10 Plätze unter sich aus, wenn es keine Ausfälle gibt. Dazu kommt Torro Rosso, das von Red Bull finanziert wird, McLaren und Force India kommen mit den Mercedes-Motoren ab und an auch in die Punkte – und die anderen Teams bekommen aus dem großen Fernsehgelder-Topf wohl nur einen ganz kleinen Teil, der nicht wirklich rentabel ist. Auch für Sponsoren sind planbare Platzierungen zwischen 10 und 20 auch nicht der Brüller – da könnte nur ein Fahrer, der sich gerne mal über die Strecke dreht noch für Fernsehbilder sorgen.
Also bleibt bei der derzeitigen Verteilung alles, wie es ist: Die Kleinen werden kleiner, die Großen größer.
Ob das allerdings auch dauerhaft für Zuschauer und damit für TV Gelder sorgt, darf bezweifelt werden.

Ferrari

Bei Ferrari ist Dampf in der Hütte. Nicht nur dass der Sportwagenbauer unter neuer Führung steht, bei Teamchef und Fahrern in der Formel 1 umher gewirbelt wird, steht nun auch im Fiat-Konzern eine Neuerung an: Ferrari soll zu 10 Prozent an die Börse!

Langfristig soll sich die Sportschmide laut Ferrari-Chef Marchionne von FiatChrysler trennen. Bis 2018 soll Ferrari in seinem Wert maximiert werden.

Oha…

Vettel und der Motorentausch

Bei Vettels Red Bull wird man nun diese Woche wohl den Motor tauschen müssen. Damit ist ein Start am Ende des Feldes vorgeschrieben, ein Qualifying um einen Startplatz macht damit keinen Sinn.

Audi holt Ex-Teamchef von Ferrari

Der ehemalige Ferrari-Sportchef Stefano Domenicali wechselt ins Audi-Management. Bereits zum 1. November soll der Italiener beim Ingolstädter Autokonzern anfangen, sagte ein Audi-Sprecher am Mittwoch. Er solle aber nicht im Motorsport arbeiten, sondern sich um neue Geschäftsfelder im Bereich Dienstleistungen und Mobilität kümmern. Konkretere Angaben machte der Konzern nicht. Zuvor hatte die italienische Sportzeitung „Corriere dello Sport“ über den Wechsel berichtet.
Aus dem Konzern hieß es, man habe Domenicali wegen seiner großen internationalen Erfahrung zu Audi geholt. Unter Beobachtern des Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) wird der Italiener als möglicher Nachfolger für den 64 Jahre alten Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich gehandelt. Audi dementiert das: „Herr Domenicali wird nicht Motorsportchef“, sagte der Sprecher.
Domenicali wurde im November 2007 zum Teamchef der Scuderia Ferrari berufen und damit Nachfolger des Franzosen Jean Todt. In seiner Zeit als Frontmann gewann Ferrari 2008 die Konstrukteursweltmeisterschaft. Nach einem für Ferrari enttäuschenden Saisonstart trat Domenicali im April 2014 von seinem Amt zurück.

Neue Nahrung könnten damit aber auch Gerüchte bekommen, dass Audi/VW einen Einstieg in die Königsklasse planen….wir werden sehen…

(Quelle und Bild: Daimler AG, „Vorschau F1 Austin„, eigene Recherche, KFZ-Betrieb: „Audi holt Demenicali„)

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