Großer Preis von China 2014 – Vorschau

Nico Rosberg und Lewis Hamilton freuen sich auf das Rennen. Klar, die Rennen in Übersee kosten Kraft und die Rennpause von zwei Wochen war einerseits sicherlich willkommen – andererseits brennen die Fahrer darauf, wieder ins Auto zu steigen, solange sicher ist, dass sie das beste Auto haben. Man weiß ja nie, was Red Bull oder Ferrari aus dem Hut zaubern.
2014_16_f1_1Ferrari ist ein gutes Stichwort. Nachdem der „große Chef“ Luca di Montezemolo das Rennen in Bahrain vorzeitig verlassen hatte, konnte man sich schon denken, dass er sicherlich schlechtester Laune war – die Geste von Alonso bei der Zieldurchfahrt hätte seinen Puls bei Anwesenheit an der Boxenmauer sicherlich auf ein Tempo beschleunigt, das der Ferrari derzeit nicht bringt.

Nun hat man also einen „Schuldigen“ gefunden und den Teamchef Stefano Domenicali – naja, nicht entlassen – man hat sich „von ihm getrennt“, wie das heißt, wenn man ihm den Vortritt lässt, die Nachricht zu verkünden.

Überraschend ist, dass kein „Racer“ das Team führen soll sondern der bisherige Chef von Ferrari Nordamerika. Seine Qualität sei es, dass er „aus jedem Mitarbeiter 120 Prozent“ herausholen kann. Andererseits sieht man immer wieder, dass Manager ohne Bezug zu „ihrem“ Sport nicht das glücklichste Händchen haben.

Gekämpft wurde in dieser Woche auch noch an anderer Stelle abseits der Rennstrecke: Red Bull hatte Berufung gegen die Disqualifikation von Daniel Ricciardo beim ersten Rennen eingelegt.

Mercedes hatte dagegen eine härtere Strafe gefordert – was man als direkte Folge aus dem Streit um die Reifentests der letzten Saison sehen kann, als Red Bull mit der Bestrafung von Mercedes nicht einverstanden war.

Man sieht sich – auch im Motorsport – immer zwei Mal…

Red Bull bekam am Ende zwar nicht Recht, erhielt aber auch keine härtere Strafe – also auch irgendwie viel Rauch um Nichts…

Bei Mercedes gab es auch eine organisatorische Veränderung. Nachdem Bob Bell bereits im Dezember seinen Posten als Technik Direktor nieder legte, gehen er und Mercedes AMG Petronas nun getrennte Wege – zumindest ab November. Das gab das Rennteam in dieser Woche bekannt.

Achja – Rennen wird auch noch gefahren….

Am Sonntag um 9 Uhr geht es los… und wie gesagt, die beiden Silberpfeil-Piloten freuen sich. Lewis hat ganz gute Erinnerungen, er war fast immer auf dem Podium dort. Andererseits hat er wegen eines Ausritts ins Kiesbett dort auch schon eine WM-Führung weg geworfen.

Nico ist dagegen hoch motiviert. Er war der Schnellere im letzten Rennen und konnte dennoch nicht gewinnen, weil Hamilton die harten Reifen derartig prügelte, dass sie offenbar den selben Grip wie die weichen erreichten – die Haltbarkeit war egal, da die Distanz mit diesen Reifen gering war.

Rosberg hatte vor zwei Jahren in China gewonnen – und hat daher auch gute Erinnerungen an den Kurs.

Man kann also gespannt sein, wie die beiden Herren ins Rennen gehen – und was man sich bei Red Bull einfallen ließ, um Rückstand aufzuholen.

Und natürlich welche Anbauteile der Mann aus Nordamerika nach Maranello mitgebracht hat, damit Alonso endlich schneller fahren kann – vielleicht.

Streckenverlauf

Der Shanghai International Circuit ist eine gänzlich andere Strecke als jene in Melbourne, Sepang und Sakhir: Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass der Kurs ebenfalls zur neuen Streckengeneration gehört, die sich durch lange Geraden und Überholzonen auszeichnen. Der größte Unterschied ist, dass der Streckenverlauf vor allem die Vorderreifen stark belastet – auf den ersten drei Strecken dieses Jahres war es umgekehrt. Dies ist deshalb so eine große Herausforderung, weil den Teams möglicherweise nicht die komplette Setup-Palette zur Verfügung steht, um die Fahrzeugbalance passend zur Strecke und den Temperaturen zu verlagern. Verantwortlich dafür sind die langgezogenen Kurven der Strecke, allen voran die Kurven 1 und 13. Dort wirken längere Zeit hohe g-Kräfte, die den linken Vorderreifen belasten und ihn über die Strecke schieben. Die Traktion ist nicht an vielen Stellen der Strecke gefordert, aber die Vorderreifen werden hohen Kräften ausgesetzt. Wie stark sich das auswirken wird, lässt sich in China aber erst sagen, wenn die Autos auf die Strecke gehen.

Überholen

Die Strecke in Sakhir bietet gute Überholmöglichkeiten, was sich im vergangenen Rennen zeigte. Gleiches gilt auch für Shanghai, wo die Überholmanöver allerdings anders geartet sein werden. Den Fahrern steht im Verlauf einer Runde nur eine begrenzte Menge an Energie zur Verfügung und die Gegengerade ist sehr lang. Deshalb wird es schwierig, sich dort über die gesamte Länge zu verteidigen. Die Fahrer können auf der restlichen Runde gut damit experimentieren, weshalb Überholmanöver nicht leicht sein werden. Dennoch ist es möglich. Letztlich wird es auf die Performance-Unterschiede auf der Geraden ankommen. Besonders Duelle zwischen Teamkollegen werden hierzu viele Gelegenheiten bieten, da die Fahrer das gleiche Material zu ihrer Verfügung haben. Zwischen unterschiedlichen Autos wird dies besonders auffällig sein. In Bahrain fuhren die Teams zeitweise in Reihenfolge der Performance und das wird wahrscheinlich auch in Shanghai der Fall sein. Die meisten Überholmanöver wird es ausgangs Kurve 13 oder in der folgenden DRS-Zone vor Kurve 14 geben. Die nächstbeste Überholstelle ist erwartungsgemäß Kurve 1 nach der zweiten DRS-Zone, eine weitere Überholmöglichkeit folgt in Kurve 6.

Power Unit

Mit Blick auf die Performance sollte das Streckenlayout der Mercedes-Benz PU106A Hybrid Power Unit liegen. Mit 1,17 km Länge ist die Gegengerade die längste im aktuellen Formel 1-Rennkalender. Es gibt auch lange Volllastpassagen, was ebenfalls den Stärken dieses Pakets entgegenkommt.

Wetter

Seit dem Debüt 2004 gab es einige sehr warme Tage mit hoher Luftfeuchtigkeit. Normalerweise ist es jedoch recht kalt – vor allem im Vergleich zu den Temperaturen in Malaysia und Bahrain. Die Teams befinden sich in China also bei den Reifen und Autos in einem anderen Arbeitsfenster.

(Quelle: Daimler AG, „GP China 2014„)

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