Großer Preis von Deutschland 2015?

Wie so häufig in seiner Laufbahn als Formel-1-Promoter gibt Bernie Ecclestone auch in der Causa Deutschland-Grand-Prix mit seinem Verhalten Rätsel auf: Statt auf den Nürburgring oder auf den Hockenheimring setzt der Zampano in der Angelegenheit derzeit auf einen Zickzack-Kurs der Marke Eigenbau. Knapp fünf Monate vor dem Termin am 19. Juli hat das bunte Aussagenpotpourrie des 84-Jährigen von wasserdichten Zusagen über „50:50-Chancen“ bis hin zu Komplettabsagen alles erlebt.

Während der Hockenheimring die Angelegenheit in keiner Form kommentiert, ist in der Eifel Zurückhaltung das Gebot der Stunde. Klar ist nur: Ein Ergebnis gibt es nicht. Die Nürburgring-Verantwortlichen trafen Ecclestone zuletzt vor zwei Wochen in London. „Über Inhalte wurde Stillschweigen vereinbart. Daran halten wir uns im Interesse der Sache“, sagt Sprecher Pietro Nuvoloni.

Im Gegensatz zum Formel-1-Boss, der mit immer neuen Erfolgs- und Schreckensmeldungen die Gazetten füllt. Am Montag erklärte er das Rennen erst für tot, wenige Stunden später wieder zur Baustelle. Was denn nun? Einen Vertrag haben beide Traditionsbahnen nicht, was Grundlage für die aktuelle Hängepartie ist. Es muss also zu einer Einigung zwischen Ecclestone und mindestens einem der Betreiber kommen, damit die Königsklasse 2015 in Deutschland in eine Startaufstellung rollt.

Nürburgring akzeptiert „vertretbaren Verlust“

Am Nürburgring ist man der Turbulenzen zum Trotz weiter gewillt, den Gastgeber zu mimen. Formel 1 um jeden Preis gibt es in der Eifel aber nicht. Im Interesse der Motorsport-Fans und der Region sei man aber bereit „einen vertretbaren Verlust“ zu akzeptieren, sagt Geschäftsführer Carsten Schumacher. Sprich: Das Rennen muss sich im Kampf um finanziell ruhige Fahrwasser in einem betriebswirtschaftlich vertretbaren Rahmen veranstalten lassen. Eine üppiger Gebühr kann Ecclestone nicht einstreichen.

Komplettabsage wäre historischer Tiefpunkt

Sollte es doch zur Komplettabsage des Grand Prix kommen, wäre es ein historischer Tiefpunkt für den Motorsport in Deutschland. Seit Gründung der modernen Formel 1 im Jahre 1950 stand der Termin mit Ausnahme der Saison 1955 (infolge der Le-Mans-Katastrophe wurde das Rennen damals genau wie die Läufe in Frankreich, der Schweiz und Spanien gestrichen) jedes Jahr im Kalender. 1997 firmierte die Veranstaltung auf dem Nürburgring formal unter dem Titel „Grand Prix von Europa“.

Der Große Preis von Deutschland ist bedeutend älter als die Formel 1. Bereits im Jahr 1926 wird er zum ersten Mal auf der Berliner Avus ausgetragen. Im nächsten Jahr zieht das Rennen auf den neuen Nürburgring um. 1931 gelingt Rudolf Caracciola dort auf Mercedes bereits sein dritter Sieg beim Großen Preis von Deutschland.

Eifel-Rennen auf dem Nürburgring 1935. Startnummer 7: Manfred von Brauchitsch. Startnummer 5: Rudolf Caracciola (Bild: Daimler AG)
Eifel-Rennen auf dem Nürburgring 1935. Startnummer 7: Manfred von Brauchitsch. Startnummer 5: Rudolf Caracciola (Bild: Daimler AG)

Natürlich wäre es für den amtierenden Weltmeister, Mercedes-Benz schlecht, kein „Heimrennen“ zu haben – weshalb sich Niki Lauda auch klar für einen Deutschland GP ausspricht. Ebenso sieht es natürlich Nico Rosberg.

Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass Herr Ecclestone seit seiner Verurteilung wegen Bestechung schlecht auf Deutschland zu sprechen ist. Nur kann das deutsche Formel 1 Publikum wenig dafür, wenn Ecclestone gegen Gesetze verstößt.

Man darf also gespannt sein, was passiert…
(Quelle: Motorsport-total.com, „Deutschland GP 2015?„)

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