Großer Preis von Monaco 2014 – Vorschau

Der Große Preis von Monaco – hier werden Fahrer zu Legenden. Monaco ist vielleicht das uninteressanteste Rennen im Kalender – und dennoch hat des „den“ Flair. Mit den für Rennstrecken konstruierten Boliden durch die Straßenschluchten des Fürstentums, in denen Überholen nahezu ausgeschlossen – aber nicht unmöglich – ist, der Treff der Superjachten im Hafen, irrwitzig teure Balkon-Plätze und Promi-Schaulaufen der Superlative – all das ist das Besondere seit dem 21.Mai 1950 – dem ersten GP von Monaco.

Vielleicht einfach auch das Überbleibsel aus einer Zeit, als „Große Preise“ noch ein gesellschaftliches Ereignis waren, als Rennfahrer noch „Helden“ waren.

Gut, dass letzteres nicht mehr der Fall sein muss, ist technischer Fortschritt und es ist Gott sei Dank so, dass seit Ayrton Senna – am 01. Mai 1994, also vor 20 Jahren – kein Formel 1 Fahrer mehr tödlich verunglückte. Formel 1 Fahrer müssen heute keine tollkühnen Männer in noch tollkühneren Kisten sein, sondern Spitzensportler mit hohem technischen Sachverstand – aber genau deshalb wünscht es sicher jeder Rennfahrer, einmal im Leben den Pokal aus den Händen des monegassischen Fürsten zu erhalten – denn nur hier kann aus einem Weltmeister anknüpfen an Namen wie Juan Miguel Fangio, Stirling Moss, Jim Clark, Jackie Stewart, Niki Lauda, Carlos Reutemann, Alain Prost und natürlich Ayrton Senna.

David Coulthard, Emerson Fittipaldi, Prinz Albert von Monaco und Niki Lauda bei der Enthüllung der Fangio Statue in Monaco
David Coulthard, Emerson Fittipaldi, Prinz Albert von Monaco und Niki Lauda bei der Enthüllung der Fangio Statue in Monaco

Und deshalb freuen sich die beiden Silberpfeil-Piloten natürlich auf dieses Wochenende – allzumal sie in diesem Jahr mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die besten Chancen auf den Sieg und den Platz am Fürstentisch haben. Falls sie sich nicht gegenseitig behindern…und das Wetter keine Kapriolen schlägt…und kein unüberlegter Ausritt eines anderen alle Strategie in Rauch aufgehen lässt – Sieger ist man erst, wenn die Zielflagge geschwenkt wird.
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Lewis Hamilton beschreibt das Fahren auf der Strecke in Monte Carlo als „ein haarsträubendes Erlebnis: Es ist die härteste Achterbahn, die du dir vorstellen kann!“

Der Tunnel ist „ein richtig spannender und einzigartiger Streckenabschnitt. Du fährst mit Vollgas in die Dunkelheit und erkennst nicht, wohin du fährst: Du hoffst einfach, dass du das Auto an der richtigen Stelle platziert hast, um auf der anderen Seite wieder gut ins helle Sonnenlicht zu fahren. Danach folgt die enge Schikane.

Ein interessanter Umstand auf dieser Strecke ist, dass es aufgrund der geschlossenen Streckenumgebung mit all den Häusern nahezu keinen Windeinfluss gibt. Es sind nur du, das Auto und der Asphalt!“

Bei Nico Rosberg wurden die Test-Tage nach dem GP von Barcelona genutzt, um Brems- und Startperformance zu verbessern, man darf also gespannt sein, ob sich etwas verändert hat an der teaminternen Reihenfolge. Rosberg ist als Vorjahressieger und Wahl-Monegasse natürlich besonders motiviert, Hamilton ist nach vier Siegen in Folge mit ordentlichem Selbstbewusstsein ausgestattet.

Nico Rosberg hat durch den Tunnel und danach „stets ein Grinsen im Gesicht, da dies früher mein Schulweg war. Hier bin ich mit dem Schulbus durch den Tunnel gefahren und jetzt fahre ich auf der gleichen Straße mit 300 km/h in einem Formel 1-Auto entlang. Das ist ein ganz besonderes Gefühl!
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Streckenentwicklung

Genau genommen ist Monte Carlo keine Strecke. Selbst in Melbourne, einem weiteren Straßenkurs, gibt es neben der Formel 1 noch genügend Action, um die Streckenentwicklung im Verlauf eines Wochenendes eher gering zu halten. Anders als auf jeder anderen Strecke ist der Kurs in Monaco am Rennwochenende für die Öffentlichkeit geöffnet – natürlich abgesehen von den Rennzeiten. Zwischen dem Qualifying am Samstag und dem Rennen am Sonntag strömen tausende Menschen mit Getränken in den Händen durch die Straßen, sodass sich die Strecke dramatisch verändert. Das muss man vorhersagen, verstehen und richtig umsetzen – nur dann kann man im Rennen das bestmögliche Resultat erzielen. Schon mehrfach war es der Fall, dass sich die Reifen am Donnerstag ganz anders verhalten haben als am Sonntag im Rennen. Aus diesem Grund ist es ein ganz besonderes Rennen für die Fahrer und Ingenieure.

Reifen

Wie in der vergangenen Saison kommen in Monaco die weichen und die superweichen Reifen zum Einsatz. Das ist keine Überraschung und Standardvorgehen für einen Straßenkurs, weil dort ein anderer Asphalttyp als auf einer permanenten Rennstrecke verwendet wird. Grundsätzlich handelt es sich um öffentliche Straßen. Monaco achtet jedoch sehr gut auf seine Straßen und pflegt diese perfekt. So wird rund ein Drittel der verwendeten Streckenoberfläche jedes Jahr neu asphaltiert. Die Qualität des Asphalts ist viel besser als auf gewöhnlichen Straßen, was die regelmäßigen Arbeiten bedingt. Gleichzeitig ist der Asphalt sehr glatt und es kommt nicht zu schwerer Abnutzung, die man auf einer normalen Streckenoberfläche erwarten würde. Aus diesem Grund kommen die weichsten Reifenmischungen zum Einsatz, um die beste Haftung auf einer Streckenoberfläche mit relativ wenig Grip zu bieten. Der Nachteil dabei ist, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit für Graining an den Reifen gibt, also eine Beschädigung der Reifenoberfläche durch Abscheren der obersten Gummischicht. Dazu kommt es besonders häufig am Donnerstag, wenn die Strecke den geringsten Grip bietet. Auch dies zeigt, dass man während des Trainings und des Rennens ganz unterschiedlichen Herausforderungen gegenüberstehen kann.

Wetter

Das Wetter lässt sich in Monaco nicht allzu schwer vorhersagen. Der Regen kommt stets aus einer Richtung. Wenn eine Wolke über dem Berg sitzt und herüberzieht, wird es regnen. Wenn die Wolke zu niedrig ist, bleibt es hingegen trocken. Dabei ist es durchaus möglich, dass die Fahrer im Qualifying zum ersten Mal im Nassen fahren. Die Regenwahrscheinlichkeit in Monaco ist relativ hoch. Dadurch wird eine ohnehin schon komplizierte Situation noch einmal erschwert.

Safety Cars

Aus offensichtlichen Gründen sind Safety Car-Einsätze in Monaco recht häufig. Die Autos fahren nah an den Leitplanken vorbei und es gibt nur sehr wenig Platz, um ein ausgefallenes Fahrzeug zu bergen, ohne das Rennen zu neutralisieren.
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(Quelle und Bilder: Daimler AG, „Vorschau GP Monaco 2014„)

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