Großer Preis von Spanien 2014 – Vorschau

Das fünfte Rennwochenende der Formel 1-Saison 2014 findet beim Großen Preis von Spanien auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya statt.

Nach drei großartigen Wochenenden in Malaysia, Bahrain und China ist Lewis Hamilton nun heiß auf das nächste Rennen, bei dem er seinen Schwung in den nächsten Abschnitt der Saison mitnehmen möchte. Und auch wenn er weiß, wem die Spanier auf den Tribünen die Daumen drücken – er mag den Kurs und freut sich auf das Rennen.

Nico Rosberg muss in diesem Rennen „liefern“, will er nicht hinter seinen Teamkollegen zurückfallen. Noch ist er WM-Führender und er sagte auch beim DTM Rennen letzte Woche, dass er den Titel im Visier hat – aber dafür muss zwingend ein Sieg her – oder zumindest eine Platzierung vor Hamilton.

2014_19_f1_1Allerdings weiß man nicht, was in der Rennpause der letzten drei Wochen von den anderen Teams an die Autos „gezaubert“ wurde – insbesondere Red Bull sollte man in diesem Punkt nicht unterschätzen.

Von einem „selbstverständlichen Sieg“ für Silber sollte man nicht ausgehen.

Natürlich hat man auch bei Mercedes-AMG weiterentwickelt, keine Frage. Aber mit welchem Kräfteverhältnis die „Europa-Saison“ in der Formel 1 beginnt, wird spannend.

Paddy Lowe fügt noch einen wichtigen Punkt hinzu: Man sagt oft, dass ein Auto, das in Barcelona gut funktioniert, für die gesamte Saison gut sein wird. Man darf also gespannt sein…

Streckencharakteristik

Abgesehen vom Straßenkurs in Melbourne war die Formel 1 in dieser Saison bislang auf einigen der neuen Strecken mit modernem Design zu Gast. Auf diesen zählen meistens spezifische Performancebereiche der Autos und nicht das Gesamtpaket. Die Strecke in Barcelona ist hingegen ein traditioneller Kurs. Die Teams kennen die Strecke sehr gut und sie bietet einen guten Referenzpunkt, um die Performance des Autos gegenüber der Konkurrenz einzuschätzen. Es ist eine echte Härteprobe für das Auto und verlangt eine gute Mischung aus einer starken Aerodynamik, einem starken Motor und einer starken mechanischen Performance.

Upgrades

Barcelona ist normalerweise der Zeitpunkt für einige der größten Performance-Upgrades der Saison. Einer der Gründe dafür ist, dass es bei den vier Überseerennen zu Beginn der Saison schwierig und teuer ist, sperrige Pakete mit Unterböden, Bodyworks und Flügeln zu transportieren. Natürlich möchte jedes Team zu jedem Zeitpunkt so konkurrenzfähig wie möglich sein, aber sie müssen auch eine gute Balance zwischen den Kosten und der Performance finden. In Barcelona werden die Teams deshalb große Upgrade-Pakete ausprobieren und grundlegende Überarbeitungen an ihren Autos haben statt nur Neuerungen an individuellen Komponenten. Bis zu diesem Rennen lag die Performance einiger Autos eng zusammen.

Streckenoberfläche

Die Streckenoberfläche in Barcelona ist in den Kurven eins und zehn sichtbar gerillt. Dies sind die Bremszonen für die beiden langen Geraden. Eine solche Charakteristik gibt es im aktuellen Rennkalender nur selten, was auf das Alter der Strecke zurückgeführt werden kann. Der Asphalt wurde im Laufe der Zeit aufgeraut, was sowohl die Fahrer im Cockpit spüren als auch Filmaufnahmen bestimmter Autos zeigen.

Kurve 3

Kurve drei ähnelt Kurve acht auf der ehemaligen Formel 1-Strecke in Istanbul. Sie ist, wenn auch in geringerer Ausprägung, eine fantastische, langgezogene Highspeed-Kurve, die von den Fahrern als eine der größten Herausforderungen des Jahres angesehen wird. Hier zeigt sich die Basis-Performance eines Autos. Um schnell zu sein, sind hier eine gute Balance, ein starkes Aerodynamik-Paket und ein guter Umgang mit den Reifen wichtig. Kurve drei dominiert den Anfang des ersten Sektors, da es keine besonderen mechanischen Unterscheidungsmerkmale auf der Geraden oder in den ersten beiden Kurven gibt.

Überholen

Überholen war in Barcelona schon immer schwierig und dies hat sich auch durch die Einführung von zwei DRS-Zonen nicht viel geändert. Obwohl es in der Saison 2013 eine beachtliche Anzahl an Überholmanövern gegeben hat, muss angemerkt werden, dass diese durch den starken Reifenabbau und eine Vielzahl an Strategien während des Rennens ausgelöst wurden. Es gibt zwei lange Geraden auf der Strecke, aber diese sind nicht so lang wie auf den letzten beiden Strecken in dieser Saison. Um ein erfolgreiches Überholmanöver zu vollführen, muss der Fahrer am Ausgang der vorhergehenden Kurve so nah wie möglich an seinem Vordermann dran sein. Die Charakteristik der Kurven neun und 16, die beiden Kurven vor den Geraden, machen dies zu einer schwierigen Aufgabe. Beide sind knifflige, schnelle Kurven, in denen die Fahrer am Limit sind. Aus diesem Grund kann die Vorderachse in der aufgewirbelten Luft des vorausfahrenden Autos leicht wegrutschen. Dies führt oftmals zu Fehlern, wenn die Fahrer versuchen, über das Limit hinauszugehen, um den Abstand vor Kurve neun zu verringern und so vielleicht ein Überholmanöver auf dem Weg zu Kurve zehn zu probieren.

Reifen

Mit Blick auf den Reifenabbau zählt Barcelona zu den härteren Strecken der Saison. Aus diesem Grund kommen an diesem Rennwochenende die harte und die mittlere Reifenmischung zum Einsatz. In den Kurven drei und neun sowie in der Kurvenkombination sieben und acht wirken hohe Lasten auf die Reifen. Zudem nutzt der aggressive Asphalt in Barcelona die Oberfläche der Reifen etwas mehr als gewöhnlich ab. Diese Charakteristiken führen gemeinsam zu höheren Reifentemperaturen, besonders auf der linken Seite. Angesichts der relativ kurzen Geraden auf dieser Strecke gibt es nur ein eingeschränktes Zeitfenster, um die Energie und Temperatur in den Reifen wieder abzubauen. Deshalb spüren die Fahrer vor allem in den engen Schlusskurven einer Runde die Auswirkungen der überhitzten Reifen, da die Abfolge von stark belastenden Kurven vor dem letzten Sektor wenig Zeit für Erholung bietet.

Wetter

Anders als in Melbourne oder Shanghai, wo die Wetterverhältnisse sich von Tag zu Tag stark unterscheiden können, bleibt das Klima an den Rennwochenenden in Barcelona normalerweise konstant. Aus Ingenieurssicht verringert dies die Herausforderung, da der Schwerpunkt nicht mehr so stark auf der Wettervorhersage liegt, um so die Kühlungspakete und die Reifenvorbereitung zu optimieren. Die Temperaturen können jedoch von Jahr zu Jahr zwischen 18 und 29 Grad schwanken. Dies stellt eine eigene Herausforderung dar: Bis die Teams an der Strecke angekommen sind, kann es schwierig sein, zu wissen, welche Lösungen am besten zu den vorherrschenden Bedingungen passen.

(Quelle und Bild: Daimler AG, „Vorschau GP Barcelona 2014„)

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