Kult-Klassiker: Mercedes-Benz C 111

Mercedes-Benz Classic brachte in diesem Jahr den legendären C 111 zur Silvretta Classic Rallye Montafon 2014 zurück auf die Straße. Grund genug, sich mit diesem Fahrzeug, das in den 1970er Jahren in keiner kindlichen Autosammlung nicht fehlen durfte, einige Bilder und Zeilen zu widmen.
Das faszinierende Forschungsfahrzeug nahm in einer einzigartigen Variante mit V8-Motor an der Fahrt durch das Montafon teil.

2014_36_c111_17Im Gegensatz zu den anderen C 111-Fahrzeugen, die Mercedes-Benz mit dem von Felix Wankel erfundenen Rotationskolbenantrieb baut (jeweils sechs Exemplare im Jahr 1969 mit Dreischeibenmotor und sechs Fahrzeuge 1970 mit Vierscheibenmotor), trägt dieser C 111 einen Hubkolbenmotor im Heck: Die Mercedes-Benz Ingenieure des Prototypenbaus in Sindelfingen implantieren 1970 einen 3,5-Liter-V8-Motor aus der Serienproduktion in ein C 111-Chassis der zweiten Generation, um so einen direkten Vergleich zum Vierscheiben-Wankelmotor zu ermöglichen. Dieser V8-Motor kommt erstmals 1969 in den Oberklasse-Modellen Mercedes-Benz 300 SEL 3.5 (W 109) sowie 280 SE 3.5 Coupé und Cabriolet (W 111) zum Einsatz und ermöglicht auch beim 1971 eingeführten 350 SL (R 107) ein sportliches Fahrerlebnis.

Caption orig.: Viertakt-Arbeitsweise des 4-Scheiben- Wankelmotors vom Typ Mercedes-Benz C 111/II
Diesen Schritt haben die Ingenieure des Prototypenbaus in Sindelfingen nun wiederholt: Im originalen Chassis von 1970 arbeitet wieder ein 3,5-Liter-V8-Motor des Typs M 116. Diese authentische Rekonstruktion des Einzelstücks von 1970 bringt nicht nur die Faszination des technisch und ästhetisch wegweisenden C 111 auf die Straße zurück, sondern steht auch für die Wechselwirkung zwischen Sportlichkeit und Innovation, die in den Fahrzeugen der Stuttgarter Marke zum Ausdruck bringen soll.

Schade, dass man das Auto nicht in Serie gebaut hat.
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Mercedes-Benz Experimentalfahrzeug C 111 mit V8-Motor (1970)

Mercedes-Benz stellt den C 111 im September 1969 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurter am Main (IAA) vor. Das Forschungsfahrzeug mit extremer Keilform und Flügeltüren besitzt eine Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und wird von einem Dreischeiben-Wankelmotor mit 206 kW (280 PS) Leistung angetrieben. Der futuristisch anmutende Sportwagen ist bis zu 270 km/h schnell (man beachte das Baujahr!!!). Im folgenden Jahr wird die überarbeitete Version des C 111 auf dem Genfer Automobil-Salon vorgestellt, nun von einem Vierscheiben-Wankelmotor mit 257 kW (350 PS) Leistung angetrieben. In dieser Version beschleunigt der C 111 in 4,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 300 km/h. Diese zweite Version des Forschungsfahrzeugs dient auch als Basis für eine V8-Variante des C 111 mit dem Serienmotor M 116 (147 kW/200 PS), die die Mercedes-Benz Ingenieure und Techniker zu Vergleichen mit dem Wankel-Sportwagen verwenden. Den zahlreichen Bestellungen zum Trotz bleibt der C 111 ein reines Experimentalfahrzeug und wird nicht in Serie gebaut. Stattdessen entwickelt Mercedes-Benz später auf dieser Basis eine Reihe von Rekordfahrzeugen: Den C 111-II D (1976) und den C 111-III (1977-1978, beide mit Fünfzylinder-Dieselmotor) und den C 111-IV (1979, V8-Ottomotor mit Turboaufladung).

Bilder vom Mercedes-Benz Forschungsfahrzeug C 111-II mit Vierscheiben-Wankelmotor, 1970

(Quelle und Bilder: Daimler AG, „C111„)

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