Autoklassiker fahren dem DAX davon

Immer wieder kommt die Diskussion auf, ob wohl der SLK das Potenzial zum „Klassiker“ hat. Dagegen sprechen die produzierten Stückzahlen, denkt man. Wenn man aber sieht, wie sich die SL R107 Baureihe gesteigert hat, ist das Argument der Stückzahlen widerlegt:

SL R107 wurden 237.787 gebaut (plus Coupés: 62.888), der R170 liegt mit 311.222 produzierten Einheiten nicht so viel darüber, der R171 ist mit rund 245.000 praktisch gleichauf.

Beeindruckend sind auch die Entwicklungen von Opel Manta, Ascona und Kadett C – und mancher Leser wird sich heute fragen, ob er sein altes Auto nicht besser behalten hätte.
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Am Ende des Textes kommt eine Liste mit diversen Fahrzeugen aus dem Index – und die jeweilige Wertentwicklung im Vergleich zum DAX.

Historische Fahrzeuge aus Süddeutschland bestechen nicht nur durch Lack und Chrom, sondern vor allem durch Wertbeständigkeit. Dies zeigt die vierte Aktualisierung des Oldtimerindex (OTX) der Südwestbank. Er bildet die Wertentwicklung von insgesamt 20 Modellen süddeutscher Hersteller seit 2005 ab. 2013 legten die Autoklassiker um 28,76 Prozent zu, im Vorjahr war der Index nur um 2,2 Prozent gestiegen. Auf lange Sicht schlagen Oldtimer Aktien um Längen: Der OTX stieg seit 2005 um 169,59 Prozent, der DAX um 124,44 Prozent. Die höchste Steigerung erzielten die BMW-Modelle 503/507/3200 CS, deren Wert sich seit 2005 mehr als vervierfacht hat. Mit 16,78 Prozent Wertzuwachs schaffte erstmals der Opel Ascona B/Manta B den Sprung in den Index, er verdrängte den Mercedes 170 V-SD W136.

„Oldtimer erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit und rücken vor dem Hintergrund fehlender Alternativen zunehmend in den Fokus der Anleger“, sagt Manfred Mühlheim, Bereichsleiter Asset Management bei der Südwestbank. „Langfristig betrachtet, erweisen sich automobile Klassiker nach wie vor als wertstabile Anlagealternative.“ Dies belegt der Vergleich mit Aktien und deutschen Staatsanleihen: Während der deutsche Aktienindex DAX seit 2005 um rund 124,4 Prozent wuchs, der Euro Stoxx 50 Performance-Index um 39,4 Prozent anstieg, legte der OTX um 169,59 Prozent zu. Der REX-P für deutsche Staatsanleihen stieg in diesem Zeitraum um 45,0 Prozent.

Viele Youngtimer schon bald Oldtimer

Die Oldtimer-Experten der unabhängigen Privatbank erwarten in den kommenden Jahren eine deutliche Zunahme des Bestands an zugelassenen historischen Fahrzeugen. Mühlheim ist überzeugt: „Viele Autos haben derzeit noch den Youngtimer-Status, werden aber in absehbarer Zeit die 30-Jahresmarke überschreiten und zählen schon bald zu den Oldtimern. So zum Beispiel der aus dem Fernsehen bekannte 6er BMW“.

Laut Kraftfahrt-Bundesamt nahm der Oldtimerbestand 2013 in Deutschland um 7,12 Prozent zu. Zum Jahresanfang waren von rund 451.000 Oldtimern knapp 314.000 mit einem H-Kennzeichen ausgestattet.

Prominenter Zweitplatzierter: Die BMW Isetta

Die Rangliste führen die BMW-Modelle 503/507/3200 CS aus den Jahren 1956 bis 1965 an, sie vervierfachten ihren Wert und legten um 326,21 Prozent zu. Den zweiten Platz belegt der BMW Isetta/600 aus den Jahren 1955 bis 1962, gefolgt vom Mercedes 300 SL und den 911er-Reihen von Porsche.

„Die Isetta ist ein prominentes Modell, das kontinuierlich an Wert gewonnen hat. Aufgrund ihrer niedrigen Preisklasse ist sie mit etwa 15.675 Euro auch für Normalverdiener erschwinglich“, so Mühlheim. Zudem fallen bei diesem Fahrzeug mit einer geringen Hubraumgröße im Vergleich zu anderen Fahrzeugen wenig Nebenkosten an.

Hohe Nachfrage aus Russland und Asien

Besonderes Augenmerk legt Mühlheim auf die hohe Nachfrage aus dem Ausland. Diese habe in den vergangenen Jahren zu starken Preisanstiegen bei vielen Oldtimermodellen geführt. „Die Oldtimer etablierter süddeutscher Auto-Hersteller stehen bei zahlungskräftigen Russen und Asiaten hoch im Kurs“, erklärt der Fachmann.

Stolpersteine beim Oldtimer-Kauf

Interessierten Anlegern rät Mühlheim einen Oldtimer grundsätzlich nur als Beimischung zum Gesamtvermögen. Nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des Vermögens sollten hier investiert werden. Auch die Kosten für Wartung, Reparatur, Pflege und Versicherung der Autos seien bei der Renditekalkulation zu berücksichtigen. „Ein weiterer Stolperstein beim Kauf eines automobilen Klassikers sind Fälschungen, denen Käufer aufliegen könnten. Die erkennt der Laie nicht auf den ersten Blick“, so der Experte. Die Südwestbank empfiehlt Kaufinteressenten daher zwingend den Gang zu einem Oldtimer-Gutachter.

Berechnungsgrundlage des OTX

Die Südwestbank legte den Oldtimerindex erstmals 2010 auf, um die Wertentwicklung süddeutscher Autoklassiker mit anderen Anlageformen zu vergleichen. In den Index aufgenommen werden 20 Modelle von Automobilherstellern aus Baden-Württemberg, Bayern und dem südlichen Hessen. Die Berechnung des OTX basiert auf der Auswertung von Preisangaben des renommierten Fachmagazins „Motor Klassik“ sowie den Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes. Den Anfangswert des Index legte die Südwestbank auf 100 Punkte im Jahr 2005 fest. Der Wert der im Index enthaltenen Oldtimer stieg durchschnittlich pro Jahr um 10,43 Prozent, was zu einem Index von 269,59 Punkten am Stichtag 1. Januar 2014 führte.

2014_20_r107_2 (Quelle: www.suedwestbank.de, Grafik der Wertentwicklung: Südwestbank, SL R107: Daimler AG)

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